Gegen Menschenhandel – oder nur gegen Sexarbeit?

Lange ist nichts mehr passiert auf diesem Blog. Anders als im englischsprachigen Raum, wo mit dem Themenportal „Beyond Trafficking and Slavery“ eine kritische Masse an Menschen aus Wissenschaft, Praxis und NGOs an einer kritischen Reflektion von Anti-Menschenhandelsmaßnahmen zusammenkam, bleibt die öffentliche Debatte in Deutschland platt. Daher kam auch der Entschluss, diese Seite fallen zu lassen. Das Interesse und die Bereitschaft sich mit der Komplexität von Menschenhandel auseinanderzusetzen, fehlte an vielen Ecken. Selbst auf Sexarbeit bezogene kritische Analysen waren nur dann erfolgreich, wenn sie gleichzeitig sich mit Figuren, wie Alice Schwarzer, auseinandersetzten. Das Blog und seine Beiträge wurde zwar oft aufgenommen, aber in der Debatte schlugen sie sich kaum nieder. Selbst wer mir privat versicherte, dass es doch eine wichtige Info-Seite sei, blieb in der Rezeption und Anerkennung dieser arbeitsintensiven Seite zurückhaltend.

Und so habe ich irgendwann aufgehört, hier zu bloggen. Denn die Arbeit erschien sinnlos – suchte doch die Mehrheit der Leser*innen nach reißerischen Dekonstruktionen, platten Behauptungen und eher einfachen, zugespitzen Thesen. Die wichtigen Hintergrundanalysen wurden hingegen kaum beachtet.

Dass man auch Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels kritisch betrachten muss und dass es nicht automatisch gute und gut funktionierende Maßnahmen sind, weil da „gegen Menschenhandel“ drauf steht, scheint für viele Leser*innen und vor allem Aktivist*innen da draußen ein wenig vertrauter Ansatz zu sein. Gerade jene, die sich neu mit dem Thema befassen, entdecken „Menschenhandel“ und wollen etwas dagegen tun. Hauptsache „etwas“. Ob und inwiefern dieses „Etwas“ überhaupt sinnvoll ist, wird selten reflektiert. Wie viel man über Menschenhandel weiß und ob man eventuell über den einen Pressartikel hinaus etwas breiter recherchieren sollte, sind Fragen, die sich die wenigsten stellen.

Diese unkritische Haltung gegenüber Maßnahmen gegen Menschenhandel fällt besonders dort auf, wo dieser Kampf eigentlich nur als Kampf gegen legale Sexarbeit geführt wird. Man bezieht sich auf fragwürdige Studien, die angeblich bewiesen hätten, dass die Legalität von Sexarbeit zu mehr Menschenhandel führe. Kaum jemand fragt danach, ob und wie das Verbot von Sexarbeit Ausbeutungsstrukturen fördert, die auch zu Menschenhandel führen können.

Mit dem gesellschaftlichen Rechtsruck wurde die Debatte zudem verkompliziert. „Menschenhandel“ wird selbst von offizieller Seite (und von der Presse sowieso) oft mit „Menschenschmuggel“ vermischt. Auch rechtsradikale Besucher*innen fanden hierher, indem sie Suchbegriffe, wie „Menschenhandel“, in Suchmaschinen eingaben. Manchester verlinkten die Seite – vermutlich ohne side verstanden zu haben.  Einige Beiträge wurden verlinkt, um gegen den Islam und gegen Geflüchtete Stimmung zu machen. Von progressiven Stimmen hingegen wurde das Blog kaum entdeckt oder wahrgenommen. Die Gründe wurden eben genannt.

Die Vermischung von Sexarbeit und Menschenhandel nahm gleichzeitig ab. Anstatt nur noch im Kontext vom Prostitution von Menschenhandel oder „moderner Skalverei“ zu sprechen, erweiterte sich der Blick auf die Formen sklavereiartiger Arbeitsausbeutung. Gleichzeitig aber geriet nun die Sexarbeit direkt unter Beschuss, und zwar durch eine Reihe von Kleingruppen, die oft aus den gleichen Mitgliedern bestehen und die sich meist mit nicht besonders guten, aber sehr reißerischen Argumenten, für ein Verbot der Sexarbeit einsetzen. Sie haben nun offen den Kampf gegen Menschenhandel hinter sich gelassen, um sich ausschließlich einer Verbotskampagne zuzuwenden.

Neuerdings war ich in einer Diskussion verwickelt, die besonders eindrücklich zeigte, wie wenig manche Aktivist*innen über Menschenhandel (aber auch über Sexarbeit) wissen und wie sich ihr Aktivismus letztendlich nur noch auf die legale Sexarbeit richtet. Kurz: In den letzten Jahren hat sich die öffentliche Debatte verschoben und die Prostitution an sich in den Mittelpunkt gedrängt. Das jedoch hat fatale Folgen für die Bekämpfung des Menschenhandels und vor allem der Gewährleistung der Unterstützungsangebote udn Wahrnehmung der Opferrechte für Betroffene.

Doch die Bekämpfung der Sexarbeit – egal durch welche Form des Verbotes – wird den Menschenhandel nicht eindämmen. Denn, anders als diese Aktivist*innen glauben, besteht der Menschenhandel nicht darin, dass jemand sexuelle Dienstleistungen verkauft. Der Menschenhandel besteht in einer spezifischen Form der Ausbeutung, die unabhängig von der Art der Arbeit ist.

Und damit sei dieses Blog wiedereröffnet.

 

Call for Articles – „Mädchenhandel“ und Völkerrecht // „Traffic in Women” and International Law

Im 20. Jahrhundert wurden insgesamt sechs internationale Abkommen zur Bekämpfung des sogenannten Mädchen- bzw. Frauen- und Menschenhandels verabschiedet. Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts genoss das Thema so viel politische und öffentliche Aufmerksamkeit, dass eine völkerrechtliche Regulierung möglich wurde. Fünf der Abkommen wurden zwischen 1904 und 1949 verabschiedet, während das letzte Abkommen erst im Jahre 2000 unterzeichnet wurde. Somit wurde das Phänomen „Mädchenhandel“ eines der ersten völkerrechtlichen Regelungsfelder neben den klassischen Themen von Krieg und Frieden, wodurch das Zusammendenken von „Mädchenhandel“ und Völkerrecht aus verschiedenen Perspektiven Erkenntnisse verspricht.

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Kontrolle statt Schutz: Das geplante Prostituiertenschutzgesetz wird seinem Namen nicht gerecht

Das neue Gesetz soll Prostituierte besser vor Ausbeutung „schützen“. Für Sexarbeiter*innen ist die Einrichtung einer Sonderdatenbank mit Anmeldepflicht und Zwangsberatung geplant. Für sogenannte „Prostitutionsstätten“ – Orte, an denen Sexarbeit ausgeübt wird – sollen strenge Auflagen gelten. Beides ist gut gemeint, wird aber die Situation von Sexarbeiter*innen verschlechtern. Viele neue Pflichten werden eingeführt, aber kaum neue Rechte geschaffen – Sexarbeiter*innen stehen in der Pflicht, sich anzumelden, haben aber keinen nennenswerten Vorteil davon.

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Die EMMA, das Prostitutionsgesetz und die „Zuhälterlobby“

Das EMMA Magazin macht seit mehreren Jahren Druck für die Abschaffung des 2002 verabschiedeten Prostitutionsgesetzes. Es trage, so die EMMA, die „die Handschrift der Zuhälter und Menschenhändler.“

Seitdem Alice Schwarzer 2013 den „Appell gegen Prostitution“ veröffentlicht hat, scheint sich die öffentliche Debatte über Prostitution und Menschenhandel kaum noch sachlich führen zu lassen.

Zwar hat das Bundeskriminalamt in seinen Berichten wiederholt einen Rückgang der offiziellen Zahlen des Menschenhandels in Deutschlands feststellen müssen, dennoch behaupten alle immer wieder, dass der Menschenhandel seit 2002 zugenommen habe.

Zwar reden alle immer wieder von der „Legalisierung der Prostitution“ und vergessen (oder: wissen nicht), dass Prostitution schon längst legal ist. Nur die rechtliche Lage der Prostituierten hat sich verändert. Und zwar im positiven Sinne.

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Feministisches Manifest zur Unterstützung der Rechte von Sexarbeiter*innen

Dieser Beitrag wurde ursprünglich anlässlich des Frauentags am 8. März 2016 auf Feminists for Sex Workers veröffentlicht, auch in anderen Sprachen, darunter FR  |  FI  |  ES  |  TR  |  DE  |  IT  |  PL  |  RO  |  MK  |  SE |  SR

Als Unterzeichner*innen dieses Manifests bekunden wir unsere Unterstützung für die Selbstbestimmungsrechte von Sexarbeiter*innen und die Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit. Weil Frauenrechte, reproduktive Rechte und die Gleichstellung der Geschlechter in ganz Europa und Zentralasien bedroht sind, erklären wir unsere Solidarität mit Sexarbeiter*innen, die mit unzähligen Formen von Gewalt konfrontiert sind: von der strukturellen und institutionellen bis zur körperlichen und zwischenmenschlichen Gewalt. Um die systematische Unterdrückung von Sexarbeiter*innen angehen zu können, fordern wir alle Feministinnen auf, ihre Ressourcen auf die Inklusion von Sexarbeiter*innen und auf die Verstärkung ihrer Stimmen in der Bewegung zu konzentrieren und gleichzeitig aufzuhören, rechtliche Rahmenbedingungen zu unterstützen, die sich als schädlich für die Rechte von Sexarbeiter*innen erwiesen haben.

Wir fordern eine feministische Bewegung, die Geschlechterungerechtigkeit in patriarchalischen, kapitalistischen, und rassistischen, weiß dominierten Gesellschaften identifiziert, und die außerdem Trans-Personen und Sexarbeiter*innen einschließt. Unsere Strafjustizsysteme sind repressiv und gewalttätig, und deshalb sehen wir verstärkte Polizeikontrollierung, Verfolgung und Inhaftierung nicht als die einzige Lösung gegen Gewalt an Frauen, Trans-Menschen und die Ungleichheit der Geschlechter. Wir glauben an ein gemeinschaftliches Einschreiten und an eine auf Dauer angelegte Organisation und Mobilisierung gegen Gewalt an Frauen und Trans-Personen in ihrer ganzen Komplexität, einschließlich wirtschaftlicher Benachteiligung und fehlendem Schutz durch soziale Netze und Dienste.

  1. Wir erkennen Sexarbeiter*innen als Expert*innen ihres eigenen Lebens und ihrer Bedürfnisse an. Der Feminismus muss, wie er es immer in der Vergangenheit getan hat, die Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung von Frauen über ihre Arbeit und ihre Körper unterstützen. Sexarbeiter*innen sollten dabei keine Ausnahme sein.
  2. Wir respektieren die Entscheidung von Sexarbeiter*innen, in der Sexarbeit zu tätig zu sein. Als Feminist*innen lehnen wir sexistische und frauenfeindliche Formulierungen ab, nach denen Sexarbeiter*innen “ihre Körper verkaufen” oder “sich verkaufen”. Die Andeutung, dass Sex Selbstaufgabe oder den Verlust von sich selbst oder eines Teiles von sich selbst bedeutet, ist zutiefst unfeministisch. Der Wert von Frauen wird durch Sex nicht reduziert. Wir lehnen außerdem jede Bewertung ab, die darin besteht, dass Sexarbeiter*innen zur “Objektifizierung von Frauen, Sex oder Intimität” beitragen. Wir werden nicht den Sexarbeiter*innen für einen Schaden an Frauen die Schuld geben, sondern dem Patriarchat und anderen unterdrückenden Strukturen.
  3. Wir unterstützen die Berechtigung von Sexarbeiter*innen, Ihre Zustimmung (consent) zu sexuellen Handlungen geben zu können. Die Behauptung, dass consent im Rahmen von Sexarbeit grundsätzlich unmöglich sei, nimmt Sexarbeiter*innen die Möglichkeit, die eigenen Grenzen zu benennen, sowie die Befähigung, gegen Gewalt die Stimme zu erheben. Die Verbreitung der Idee, dass die Kund*innen die Körper von Sexarbeitenden „kauften“ – und somit Sexarbeitenden antun könnten, was immer sie wollen – hat gefährliche und reale Folgen für das Leben von Sexarbeiter*innen. Außerdem kann die generelle Gleichsetzung von Sexarbeit mit Gewalt zu einem harten Durchgreifen der Ordnungsmacht und Polizei gegen Sexarbeit im Namen des Kampfes gegen Gewalt führen – obwohl die Bekämpfung der Sexarbeit den Schutz von Sexarbeiter*innen vor Gewalt tatsächlich verringert.
  4. Wir plädieren für Maßnahmen, die den Opfern von Menschenhandel echte Hilfe und Unterstützung bieten und gleichzeitig den Schutz ihrer Menschen- und Arbeitsrechte in vollem Umfang respektieren. Dementsprechend prangern wir die Vermischung und Gleichsetzung von Migration, Sexarbeit und Menschenhandel in der Politik an. Als Folge dieser Vermischung werden vor allem migrantische Sexarbeiter*innen zum Opfer von polizeilicher Verfolgung, von Razzien, Inhaftierung und Abschiebung. Sie werden so in den Untergrund gedrängt, wo sie in ihrer Arbeit anfälliger für Gewalt und Ausbeutung sind.
  5. Wir kämpfen für die Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Sexarbeiter*innen. Sexarbeit ist selbst keine Form von sexueller Gewalt, aber Sexarbeiter*innen sind aufgrund von Kriminalisierung und Mehrfachdiskriminierungen wie Sexismus, Hurenhass, Homo- und Transphobie, Rassismus und Klassismus besonders anfällig für sexualisierte und häusliche Gewalt. Unterdrückung und Kriminalisierung machen Sexarbeiter*innen anfällig für Übergriffe durch Einzelpersonen, Sozialarbeiter*innen, die Polizei, Einwanderungsbehörden und die Justiz. Die Betrachtung von Sexarbeit als von Natur aus gewaltvoll führt zusammen mit der Verneinung der Zustimmungsfähigkeit von Sexarbeiter*innen dazu, dass Gewalt gegen sie als normal angesehen wird.
  6. Wir arbeiten jeden Tag an der Abschaffung von Misogynie in allen Bereichen des Lebens. Frauenfeindlichkeit ist aber nicht die Ursache von Sexarbeit, sie sondern entsteht in Reaktion auf Handlungen und Entscheidungen von Frauen, ganz gleich ob es um das Tragen von Make-Up, die Entscheidung zu einer Abtreibung oder um Sexarbeit geht. Wir benennen frauenfeindliche Gefühle und Handlungen als das Problem und lehnen gleichzeitig Aufrufe ab, Verhaltensweisen zu ändern oder zu beseitigen, die diese Misogynie angeblich „provozieren“. Sexarbeit abschaffen zu wollen, weil sie angeblich Frauenfeindlichkeit provoziert, bedeutet letztlich, dass man mit jenen einer Meinung ist, die behaupten, dass bestimmte Handlungen von Frauen – wie der Verkauf sexueller Dienstleistungen – grundsätzlich auch Frauenfeindlichkeit verdienen.
  7. Wir respektieren die Rechte von Migrant*innen. Migrant*innen sind mit einem begrenzten Zugang zu Arbeit und oft mit schwierigem oder gar keinem Zugang zu Sozialleistungen konfrontiert. Einige unter ihnen verkaufen sexuelle Dienstleistungen aufgrund stark eingeschränkter Optionen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Kriminalisierung von Kund*innen und andere Formen der Kriminalisierung von Sexarbeit setzen Sexarbeiter*innen der ständigen Bedrohung durch Polizeigewalt, Verhaftung und Abschiebung aus und verweigern ihnen das Anrecht, sich gerichtlich zu wehren oder Schadenersatz zu erstreiten. Die Kriminalisierung der Kund*innen nimmt ihnen das Einkommen aus der Sexarbeit, ohne ihnen gleichzeitig Alternativen für ihr Überleben zu bieten.
  8. Wir unterstützen LGBT-Rechte. Die Zurückweisung von LGBT-Menschen durch ihre Familien und vorhandene Hindernisse beim Zugang zu Bildung und Beschäftigung in cissexististischen und heteronormativen sozialen Strukturen führen dazu, dass Sexarbeit für LGBT-Menschen oftmals eine von wenigen Möglichkeiten für Einkommen und Arbeit darstellt, vor allem für Transfrauen. Gesetze gegen Sexarbeit bringen LGB und Trans-Menschen keinen Nutzen, da sie die komplexen Aspekte ihrer sozialen Ausgrenzung ignorieren. Hiervon sind Transfrauen besonders betroffen, da Gesetze zur Kriminalisierung von Sexarbeit allzu oft auch dazu genutzt werden, um dieser Gruppe von Personen nachzustellen und sie zu verfolgen, mitunter sogar ganz unabhängig davon, ob die betroffene Person überhaupt ein*e  Sexarbeiter*in ist.
  9. Wir fordern die vollständige Entkriminalisierung von Sexarbeit. Es gibt deutliche Belege dafür, dass das schwedische Modell und alle anderen Formen der Kriminalisierung von Sexarbeit Sexarbeiter*innen schaden. Das schwedische Modell drängt sie in die Armut, schwächt ihre Verhandlungsposition mit Kund*innen, bestraft sie, wenn sie zur eigenen Sicherheit zusammen arbeiten, vertreibt sie aus ihren Wohnungen und führt zu ihrer Abschiebung. Indem sie ihnen eine Organisation als Arbeiter*innen ermöglicht, reduziert eine Entkriminalisierung die Verletzlichkeit von Sexarbeiter*innen für ausbeuterische Arbeitspraktiken und Gewalt.
  10. Wir sprechen uns gegen die zunehmende Prekarisierung von Frauen im Arbeitsleben aus. Frauen auf der ganzen Welt, einschließlich Sexarbeiter*innen, gehen Beschäftigungen nach, die schlechter bezahlt und unsicherer sind. Sie arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen – von kriminalisierter Arbeit, Saison- oder Aushilfsarbeit zu Heim- und Zeitarbeit, zur Beschäftigung als Subunternehmer, Freiberufler*innen oder (Schein-)Selbständige. Sexarbeit im Besonderen weist Ähnlichkeiten mit den Pflege- und Betreuungsberufen auf, da sie hauptsächlich von Frauen ausgeführt wird, besonders oft von Frauen mit migrantischem Hintergrund oder Frauen of Colour. Für Arbeiter*innen in Pflegeberufen gilt genau wie für Sexarbeiter*innen, dass sie oftmals nicht dieselben Schutzrechte genießen wie Arbeiter*innen in Berufen, die eher männlich besetzt sind. Der Einsatz für die Rechte von Sexarbeiter*innen muss daher ihre Arbeitsrechte betonen und muss prekäre Arbeitsbedingungen und Ausbeutung in der Sexindustrie genauso ansprechen, wie er die rechtlichen Rahmenbedingungen fordern muss, um Sexarbeiteri*nnen dieselben Rechte wie anderen Arbeiter*innen zu verschaffen.
  11. Wir fordern die Einbeziehung von Sexarbeiterinnen in die feministische Bewegung. Ihre Einbeziehung bringt unschätzbare Einsichten, Energie, Vielfalt und Erfahrung bei der Mobilisierung in unsere Bewegung und zwingt uns außerdem, uns mit unseren Vorurteilen über Geschlecht, Klasse und „Rasse“ auseinander zu setzen. Sexarbeiter*innen gehörten zu den ersten Feminist*innen der Welt und unsere Gemeinschaft ist ohne sie unvollständig und geschwächt.

Prostitution: Schwesig hält an Strafen für Prostituierte fest

Die Diskussion über ein neues Prostitutionsgesetz in der Großen Koalition geht inzwischen schon seit über zwei Jahren. Damals, im Oktober 2013, wurde die Diskussion durch Alice Schwarzers Kampagne gegen Sexarbeit geradezu erzwungen.

Besonders sachlich, empirisch und fundiert ging es in der Debatte deshalb nicht zu: Falsche Zahlen und Behauptungen werden seitdem in die Welt gesetzt mit dem einzigen Ziel die Legalität der Sexarbeit einzuschränken oder – wie es Schwarzer gerne sagt – die Prostitution „abzuschaffen“.

Natürlich nennt diese Absicht niemand beim Namen. In der Großen Koalition und im Ministerium von Manuela Schwesig spricht man daher auch von „Schutz“ – Schutz der Prostituierten. Und darüber streiten sich SPD und CDU seit Anfang an – darüber, wie man Prostituierte besser „schützen“ kann.

Worte wie „Selbstbestimmung“ fallen gerne bei der SPD. Bei der CDU ist man etwas ehrlicher und spricht von „Kontrolle“. Von „Rechten“ spricht niemand, weil das neue Gesetz keine neuen „Rechte“ schafft sondern – nach typisch deutscher Manier – nur neue Pflichten und Auflagen.

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Eine feministische Kritik am „Sexkaufverbot“

Es wird immer wieder argumentiert, dass ein sogenanntes „Sexkaufverbot“ bzw. „Schwedisches Modell“ (weil es zuerst in Schweden im Jahre 1999 eingeführt wurde) – die einzige gesetzliche Regelung sei, die Menschenhandel und Ausbeutung von „Frauen in der Prostitution“ verhindern kann. Es sei auch die einzig wirklich „feministische“ gesetzliche Regelung von Prostitution.

Dem widerspreche ich. Und nicht nur ich. Das Verbot, für Sex zu bezahlen, wurde in Schweden auf problematische Weise umgesetzt. Das habe ich schon vor einiger Zeit hier erläutert. Vor allem für Sexarbeiter*innen hat des Verbot negative Folgen, wie z. B. eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.

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Prostitutionsdebatte: Wie Sexarbeiter*innen und Betroffene von Menschenhandel gegeneinander ausgespielt werden

Dieser Beitrag erscheint anlässlich des Artikels von Ann-Katrin Müller gegen Sexarbeiter*innen (aus meiner Sicht ein „Hetzartikel“), der diese Woche in der Printausgabe des SPIEGELs unter dem Titel „Aus der Deckung. Dubiose Verbände kämpfen gegen Regeln in der Sexbranche“ erscheint. Dass DER SPIEGEL bei diesem Thema gerne „auf Lücke“ arbeitet und einseitig berichtet, wissen wir spätestens seit „Bordell Deutschland“

Sexarbeiter*innen sollen politisch neutralisiert werden. Sie sind unbequem in dieser ganzen Prostitutionsdebatte. Man kann sie nicht ausschließen – wie leben ja schließlich in einer Demokratie. Man will sie aber auch nicht ernst nehmen, ihnen auf Augenhöhe begegnen. Es sind ja schließlich „Huren“. Man lädt eine von ihnen ein, redet mit einer von ihnen, um einen Haken auf der Liste machen zu können. Aber letztendlich ist klar: Es sind Worte, die viele als wertlos betrachten. Das Narrativ steht eh schon fest. Was immer auch Sexarbeiter*innen sagen: Es ist den meisten egal. Das ist die neue politische Strategie gegen Sexarbeiter*innen und ihre Organisationen.

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Studie: Herausforderungen des Datenschutzes in der Politik gegen Menschenhandel – Ein Praxisleitfaden

Im Rahmen der europäischen NGO Inititative datACT – data protection in anti-trafficking action hat der KOK in Zusammenarbeit mit dem europäischen Netzwerk gegen Menschenhandel La Strada International den Praxisleitfaden „Herausforderungen des Datenschutzes in der Politik gegen Menschenhandel“ herausgegeben.

Die Studie gibt einen Überblick über die europäischen Datenschutzgesetzgebung, Methoden zur Datensparsamkeitsanalyse für Fachberatungsstellen, eine Analyse von Datenschutzrechten für Betroffene von Menschenhandel, sowie die Datenschutzstandards für die Arbeit der Fachberatungsstellen. Darüber hinaus bietet die Studie eine Erörterung der rechtlichen Argumente, die 2013 zum Scheitern des niederländischen Vorhabens zur Meldepflicht von Prostituierten führte.

Die Studie als PDF >

Sexarbeit, Maischberger und die Menschlichkeit

Ein vorab Kommentar zu einer noch nicht existierenden, aber ziemlich vorhersehbaren Folge von Menschen bei Maischberger (20.1.2015).

Die CDU will schnellstmöglich ein neues „Prostituiertenschutzgesetz“ auf die Wege bringen. Dadurch soll der angeblich explodierende Menschenhandel bekämpft werden, die Prostitution „menschlicher“ werden.

Der Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung ist im Jahr 2013 um 11 % zurückgegangen. Während es 2012 noch 612 Opfer waren, sind es ein Jahr später 542. Auch die Zahl minderjähriger Opfer hat sich zwischen 2009 und 2013 halbiert: Von 145 auf 70 Opfer.

Der Hinweis findet sich im Bundeslagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamtes (BKA) vom Herbst 2014. „Die Zahl der in Deutschland festgestellten Fälle von Menschenhandel […] hat im Jahr 2013 den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2006 erreicht“, so die Gesamtbewertung des BKA. Weiterlesen →

SOLWODI-Gründerin: Sexarbeiter*innen als „Drecksarbeiter*innen“? Ein Kommentar

Am vergangenen Wochenende erschien in der Welt ein Interview mit der Ordensschwester und Gründerin der christlichen Beratungsstelle für Prostituierte SOLWODI Lea Ackermann. Der Titel des Artikels: „Prostitution ist Drecksarbeit, nicht Sexarbeit„.

Zuerst habe ich mir gedacht: „Na ja, das ist die übliche Anti-Prostitutions-Haltung. Daran sind wir gewohnt.“ Aber um so länger ich über diesen Satz nach dachte und nachdem ich gesehen habe, wie viele Leute auf Twitter und Facebook diesen Artikel geteilt haben, musste ich einsehen, dass dieser Artikel mehr ist als nur „Anti-Prostitution“.

Ich weiß nicht, was Frau Ackermann sich dabei gedacht hat oder was sie sich mit der Bezeichnung von Sexarbeit als „Drecksarbeit“ erhofft hat. Sicher ist: Sie hat mit ihren Worten eine alte Tradition aufgegriffen, in der Prostituierte mit Schmutz, Dreck und Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Das ist eine Tradition des Ekels und der Abscheu. Weiterlesen →

Tag gegen Menschenhandel: „Jenseits von Menschenhandel und Sklaverei“

Anlässlich des internationalen Tages gegen Menschenhandel am 18. Oktober möchte ich eine Artikelserie vorstellen, die seit einigen Wochen und über einen Zeitraum von 12 Monaten auf Open Democracy erscheint. Unter dem Titel „Jenseits von Menschenhandel und Sklaverei“ stellen Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Fachgebieten und unterschiedlichen Ländern eigene Forschung und Überlegungen zu Menschenhandel vor. Ähnlich wie auch dieses Magazin verfolgen die Autor*innen einen kritischen Ansatz. Ihr Ziel ist es,

sowohl die leere Effekthascherei von Mainstream-Medienberichten über Ausbeutung und Herrschaft als auch die hohlen technokratischen politischen Reaktionen, die von Unternehmen und Politiker*innen beworben werden, kritisch zu hinterfragen. (Quelle)

Bisher sind insgesamt vierzehn Beiträge erschienen, die vor allem den Diskurs über Menschenhandel und moderne Sklaverei und die politischen Maßnahmen gegen Menschenhandel kritisch analysieren.

Der erste Befund wiegt schwer gegen Politiken und Kampagnen gegen Menschenhandel: Aktionen, Politiken und Kampagnen gegen Sklaverei und Menschenhandel hätten bisher kaum etwas bewirkt – oder zumindest gibt es keine Daten, die das irgendwie belegen. Aber, so fragen die Autoren, was bewirken denn diese Politiken dann, wenn sie diejenigen, die sie angeblich schützen, nicht wirklich stärken?

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Prostitution: Ein offener Brief an Sylvia Pantel, MdB für die CDU

Sehr geehrte Frau Pantel,

letzte Woche haben Sie an einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Sexarbeits-Kongresses teilgenommen. Die Diskussion fand am Abend des ersten Tages statt. Insgesamt drei Tage lang gab es Vorträge und Austausch. Es waren unter ihnen nicht nur Sexarbeiter*innen sondern auch Sozialarbeiter*innen anwesend – auch jene, die vorwiegend mit Betroffenen von Menschenhandel arbeiten.

Rechte von Sexarbeiter*innen sind Menschenrechte.

Vor der Veranstaltung haben Sie ein Interview gegeben und einen eigenen Blogbeitrag verfasst. Nicht nur dort sondern auch während der Veranstaltung haben Sie gezeigt, wie wenig Sie über das Thema wissen. Deshalb schreibe ich Ihnen diesen offenen Brief.

In ihrem eigenen Blogbeitrag sprechen Sie von den „anwesenden Prostituierten“ und gehen fälschlicherweise davon aus, dass nur Prostituierte diesen Kongress besucht haben. Sie gehen fälschlicherweise davon aus, dass sich niemand sonst aus der Zivilgesellschaft auch nur ansatzweise für das Thema Sexarbeit und Rechte von Sexarbeiter*innen interessiert. Sie unterstellen nicht nur allen anwesenden „Huren“ zu sein sondern sie unterstellen allen anwesenden mutmaßlichen Huren, nichts zu sagen, was man sinnvollerweise in einer Demokratie berücksichtigen sollte. Sie unterstellen allen anwesenden auch, nicht von Gewalt oder gar Menschenhandel betroffen gewesen zu sein.

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Populistische Doku: „Verkauft, verschleppt, missbraucht – Vom Kampf gegen den Menschenhandel“

Die Doku „Verkauft, verschleppt, missbraucht – Vom Kampf gegen den Menschenhandel“ wurde am 21. September noch mal gesendet. Auch dieses Mal bin ich davon überzeugt, dass es sich um eine unsachliche und populistische PR-Kampagne gegen Prostitution handelt. Gezeigt werden mehrere Schicksale von Betroffenen von Menschenhandel, aber auch Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder, die mit „Prostitution“ gleichgesetzt werden und somit verharmlost werden.

Die Schicksale der Frauen werden selten kontextualisiert. Die Beschreibungen, die letztendlich gesendet werden, sind Beschreibungen von Gewalt, die ihnen Täter angetan haben. Von strukturellen Faktoren ist keine Rede. Informationen über die Gesetzeslage finden sich kaum – bis auf die ständigen Verweise, dass das Prostitutionsgesetz (drei mickrige Paragraphen) an allem Schuld sind. Eine populistische monokausale und, mit Verlaub, auch einfach falsche Erklärung wird genutzt, um aus einer Doku über Menschenhandel eine Doku gegen Prostitution und Sexarbeit zu machen. Mit allen verqueren und unsachlichen Vermischungen, die damit einhergehen.

In einen Topf geworfen wird hier vieles: Prostitution, migrantische Sexarbeit, sexuelle Gewalt gegen Kinder, Vergewaltigung von Kindern, Menschenhandel, Zuhälterei, Migration rumänischer Frauen nach Deutschland, Ausbeutung rumänischer Frauen in Deutschland. All das scheint für die Autoren der Doku das gleiche zu sein. Gerechtfertigt scheint diese oberflächliche und populistische Gleichsetzung durch das gemeinsame Ziel all derjeniger die zu Wort kommen: Der Kampf gegen die legale Prostitution. Mit einer Ausnahme. Die Betroffenen von Menschenhandel erhalten außerhalb der graphischen Beschreibung ihrer Ausbeutung keine Stimme. Und Sexarbeiter*innen sowieso nicht. Die Deutungsmacht liegt bei den Autoren, den Anti-Prostitutions-Therapeuten. Ja, gar bei einem Zuhälter und Menschenhändler.

Die Macher der Doku haben den Blick der Menschenhändler dermaßen internalisiert, dass sie selber die Betroffenen von Ausbeutung sowie Sexarbeiter*innen (die erst gar nicht vorkommen) nicht nur als „Ware“ sehen und beschreiben sondern auch als „Ware“ behandeln. Denn in der Doku dürfen sie nicht sprechen. Die Deutungsmacht über ihr Leben, ihre Erfahrungen obliegt den angeblichen Expert*innen, auch wenn diese deutlich zeigen, dass sie kein bißchen Respekt für Sexarbeiter*innen übrig haben. Die Experten haben auch kein Wort über Menschenhandel verloren zumindest kein sachliches Wort, das die Debatte weiterbringt. Sie verteufeln alleine die Prostitution. Die Doku ist ein gutes Beispiel für populistischen Anti-Prostitutions-Journalismus.

Und damit klar wird, warum ich das sage, habe ich im Detail aufgeschrieben, was an dieser Doku alles problematisch ist.

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Doppel-Projekttag in den KZ Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen: „Sex-Zwangsarbeit in KZ-Bordellen“ (28.9/18.10)

Veranstaltung von menschenhandelheute.net

Die sexuelle Ausbeutung von Frauen in KZ-Bordellen war jahrzehntelang ein Tabu-Thema. Erst in den vergangenen Jahren hat sich die Forschung damit umfassend auseinandergesetzt. Die beiden Projekttage nähern sich diesem komplexen Thema – dem Stellenwert der Bordelle im KZ-System, dem Zwangscharakter der KZ-Sexarbeit und der Erinnerung/dem Verschweigen nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Was ist denn diese Pro-Prostitutions-Lobby? Plädoyer für eine Differenzierung

Seit circa einem Jahr und insbesondere seitdem Alice Schwarzer im November letzten Jahres ihren „Appell gegen Prostitution“ zeitgleich mit ihrem Buch veröffentlichte, redet Deutschland verstärkt über Prostitution. Es kam zu vielen Diskussionen, Debatten und Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Gruppen, die sich mit dem Thema befassen. Es ist die Rede von den Prostitutionsgegner*innen und den Pro-Prostitution-Lobbyist*innen. Gerade von der sogenannten „Pro-Prostitutions-Fraktion“ wird oft eher abfällig geschrieben, ohne sich näher zu fragen, was denn da genau dahinter steckt. Da ich auch gerne unter die letzte Kategorie gepackt werde und viele sich damit die Mühe ersparen, sich tatsächlich mit Argumenten und Inhalten auseinanderzusetzen, werde ich hier ausbuchstabieren, was denn diese „Pro-Prostitutions-Lobby“ eigentlich ist, warum das ein missverständlicher Begriff ist und warum er sogar gegensätzliche Interessen in einen Topf wirft und somit vor allem Sexarbeiter*innen schadet.

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Kriminalisierung von Prostitutionskunden: Frankreich rudert zurück

Im Herbst 2013 hatte die französische Nationalversammlung (vergleichbar mit dem Bundestag) ein Gesetz zur „Bekämpfung des Prostitutionssystems“ verabschiedet, das entgegen verbreiteter Meinungen noch nicht in Kraft getreten ist und noch einen langen Weg vor sich hat. Der Senat hat nun nach mehreren Anhörungen die Paragraphen zur Kundenkriminalisierung aus dem Gesetz gestrichen. Das ist ein wichtiges Signal, dass der Kampf gegen Menschenhandel nicht mit einem moralisch motivierten Kampf gegen Sexarbeit einhergehen muss oder soll.

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Prostitution und Menschenhandel (1): Die „Wahrheit“ über das „Nordische“ und „Schwedische“ Modell

Aktualisiert im August 2019 (Linkliste zu Studien am Ende des Textes und im Text mit Hyperlinks).

Ein paar einleitende Bemerkungen zum sogenannten „schwedischen bzw. nordischen Modell“ 

Das sogenannte „schwedische Modell“ ist eine bestimmte Form von Prostitutionsverbot, dessen Ziel die Abschaffung der Prostitution ist. Hier wird nicht der Verkauf von Sex bestraft oder reguliert sondern nur der Kauf von Sex. Daher wird auch von „Freierbestrafung“ oder „Sexkaufverbot“ gesprochen. Außerdem werden alle Akteure rund um die Prostitution und Prostituierten kriminalisiert, sprich Vermietung von Räumlichkeiten oder andere Vermittler*innen. Weil auch Norwegen und Island, inzwischen auch Nordirland, Irland und Frankreich, den Kauf von Sex verboten haben, sprechen Befürworter von einem „Nordischen“ Modell, obwohl Finland und Dänemark ein allgemeines „Sexkaufverbot“ bereits abgelehnt haben (hier finden sie ältere Beiträge zu Schweden  und Norwegen). Eigentlich gibt es kein „nordisches Modell“, sagen auch Wissenschaftler*innen.

Das Sexkaufverbot wird von einer lautstarken feministischen Antiprostitutionslobby gefordert, die sich selbst gerne mit dem Begriff „Abolitionismus“ beschreibt (in Anlehnung an den Abolitionismus, der die Abschaffung der Sklaverei forderte, wobei der Vergleich zwischen Sklaverei und Prostitution problematisch ist) und die im feministischen Diskurs auch als „Radikaler Feminismus“ bekannt ist. Sie definieren Prostitution als „Gewalt gegen Frauen“ und als patriarchale Unterdrückung par excellence. Neuerdings wird die Rhetorik des „nordischen Modells“ auch von konservativen Kräften instrumentalisiert, wobei diese unter diesem Deckmantel letztendlich ein Komplettverbot der Prostitution reinschmuggeln, wie neuerdings in Kanada oder auch im EU-Parlament.

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Weltmeisterschaft 2014: Über Mythen und Realität von Menschenhandel

Dieser Beitrag wurde ursprünglich veröffentlicht auf aljazeera.com (7.Juni 2014). Autorin: Sonja Dolinsek

Bild: Clément Jacquard; CC BY-NC-SA 2.0; Flickr.

Am 12. Juni begann die Männer-Fußball-WM und Millionen von Fußball-Fans werden zu diesem Mega-Event nach Brasilien reisen. In der Zwischenzeit haben sich Nichtregierungsorganisationen und Medien auf die sozialen Probleme konzentriert, die sich durch die Vorbereitungen für die Veranstaltung verschärfen.

Drei verwandte Themen haben in den letzten Wochen besondere Aufmerksamkeit erhalten: Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung von Kindern und Sexarbeit. Es wird angenommen, dass alle drei in den kommenden Wochen zunehmen. Aber belegen die Forschung und die Erfahrung von anderen derartigen Megasportveranstaltungen tatsächlich die Behauptungen einer Zunahme des Menschenhandels und der Prostitution? Und welche anderen Fragen sollten wir aus einer Menschenrechtsperspektive betrachten?

Menschenhandel und seine Verknüpfung mit Sportveranstaltungen sind seit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland diskutiert worden. Große und teure Medienkampagnen warnten vor dem wachsenden Problems des Menschenhandels mit erwachsenen Frauen in die Sex-Industrie. Seitdem waren Medien- und NGO-Kampagnen vor und rund um den Welt-und Europa-Fußballmeisterschaften, den Olympischen Spielen und dem Super Bowl besonders sichtbar. Was lernen wir aus vergangenen Erfahrungen und der Forschung zu dieser Verknüpfung?

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Auch Stuttgart bestraft „Zwangsprostituierte“ zu ihrem Schutz – wissentlich und willentlich!

Ach, Stuttgart! Schon lange denke ich über Dich und Deine Verbotsstimmen nach. Schon lange bin ich der Meinung, dass diese Verbotsstimmen weniger mit dem offiziell angekündigten „Schutz“ der Prostituierten zu tun haben und mehr mit der so langsam ausufernden Sexualpanik, die seit mehreren Monaten vor allem beim Thema Homosexualität und LGBTI zu spüren ist. Bestrafung und Verhaftung schützt nicht, egal wie oft Leute sagen, dass das doch „zum Schutz der Frauen“ ist. Weder in Stuttgart, noch in Augsburg, Hamburg oder oder in Wien.

Als ich nun heute einen Artikel in den Stuttgarter Nachrichten las, wie Anwohner*innen nun gegen den Straßenstrich protestieren, war das zu viel. Obwohl diese Anwohner*innen in den eigenen Augen natürlich nicht gegen Prostituierte vorgehen, wollen sie den Straßenstrich loswerden. Dieser ist im Übrigen schon verboten. Weiterlesen →

Über Monica Jones, Prostitution und …. Zwang

Manifesting prostitution“ heißt die Straftat, die Monica Jones begangen haben soll und wofür sie am vergangenen Freitag im US-Bundesstaat Arizona verurteilt wurde. „Manifesting prostitution“ heißt im Fall von Monica Jones, die schwarz und transsexuell ist, „auf der Straße laufen“ und „sich hin und wieder mit Leuten unterhalten“. Wer sich so verhält, kann festgenommen und wegen Prostitution angeklagt werden, die im US-Bundesstaat Arizona verboten ist.

Natürlich spazieren viele Leute auf der Straße und unterhalten sich mit Menschen, aber nur wer so oder so aussieht, wird tatsächlich verhaftet. Die ACLU – American Civil Liberties Union – wies deutlich daraufhin, dass das Kriterium für eine Festnahme meistens das Geschlecht und die Hautfarbe sind. Insbesondere transsexuelle women of color würden besonders oft durch die Polizei festgenommen und zwar nach Prinzipien, die ein racial profiling mit einem sexual profiling kombinieren. Nicht nur die Hautfarbe sondern auch das Geschlecht und Sexualitäten, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen, werden gezielt unter Strafe gestellt und verfolgt. Das Gesetz lädt quasi zu Diskriminierung ein. Auf ihre erste Verhaftung folgten noch weitere, wie Monica Jones in einem Interview erklärt:

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Abschiebehaft als „Moderne Sklaverei“

In einem inspirierenden Beitrag hat sich die britische Soziologin Julia O’Connell Davidson (Homepage und Profil auf Academia.edugefragt, was denn heutzutage als „Moderne Sklaverei“ definiert wird und was nicht. Dabei hat sie sich auch gefragt, warum Abschiebehaft – immigration detention – nicht als moderne Sklaverei betrachtet wird, obwohl Abschiebehaft durchaus die Kriterien für „moderne Sklaverei“ erfüllt.

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(Wütender) Kommentar: Das Europaparlament stimmt für Komplett-Verbot der Prostitution

Heute Mittag hat das Europaparlament über den sogenannten Honeyball-Bericht „über sexuelle Ausbeutung und Prostitution und deren Auswirkungen auf die Gleichstellung der Geschlechter“ abgestimmt. Der Bericht wurde mit einigen kleinen Änderungen angenommen und ist aber noch nicht in seiner endgültigen Form online, aber hoffentlich bald. Mit den heute vorgenommenen Änderungen plädiert der Bericht de facto für ein Prostitutionsverbot, was ein unglaublicher Rückschritt ist.

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‘Respecting the rights of sex workers in our democratic societies’

This piece was originally published on humanrightseurope.com, the Human Rights Blog of the Council of Europe, on February 5th 2014

A few years back, it was 2009, I stumbled upon the first media report on “forced prostitution”. Needless to say, I was shocked that such a thing could exist in our societies. Since then, I have been working on the topic of “human trafficking” with a particular interest on a human rights-based approach. It is in this context that I became aware of the criticism of sex workers’ organisations, as well as human rights groups, towards a certain anti-trafficking framework.

According to La Strada International, a “human rights based approach integrates core human rights principles, such as participation, non-discrimination and empowerment, and opposes anti-trafficking measures that may harm the human rights of trafficked persons or other affected groups“ and in particular human rights based anti-trafficking policies are not used „to directly or indirectly discriminate against women, migrants, sex workers or other groups.”

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Amnesty International, Sexarbeit und Menschenrechte

Letzte Woche wurde ein internes Arbeitspapier von Amnesty International geleaked, in dem Argumente für die Entkriminalisierung von Prostitution bzw. Sexarbeit vorgebracht werden. Unter „Sexarbeit“ versteht Amnesty dem Papier zufolge einvernehmliche, bezahlte sexuelle Handlungen unter Erwachsenen, also zwischen Menschen, die älter als 18 sind. In vielen Ländern ist Sexarbeit (und vor allem Sexworker) kriminalisiert, was zu Gewalt (auch durch die Polizei), Rechtlosigkeit, Ausbeutung und Stigma beiträgt oder zur Inhaftierung von Sexarbeiter_innen führt. Kriminalisierung marginalisiert Sexarbeiter_innen, erschwert den Zugang zum Recht sowie den „Ausstieg“, da sie als „Kriminelle“ wesentlich geringere Chancen zur gesellschaftlichen Reintegration haben.

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Warum es Unsinn ist, das Mindestalter für die Ausübung der Sexarbeit auf 21 zu erhöhen

Die CSU will laut Medienberichten Anfang Januar einen Gesetzesentwurf zum Thema Prostitution beschließen. Daran ist vieles problematisch, da in erster Linie die Prostituierten zusätzlich unter behördliche Kontrolle gestellt werden, ohne gleichzeitig mehr Rechte zu erhalten. Das Argument lautet, wie immer, dass dadurch die „Frauen“ besser vor Menschenhandel geschützt werden sollen – ein Argument, das unkundige Bürgerinnen und Bürger sprachlos macht (wer will den Frauen schon nicht schützen?). Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören:

  • das Mindestalter für eine Tätigkeit als Sexarbeiter*in auf 21 erhöhen
  • Zwangsuntersuchungen für Prostituierte und Registrierung beim Gesundheitsamt
  • Telekommunikationsüberwachung beim Verdacht auf Zuhälterei
  • Abschaffung des beschränkten Weisungsrechtes, wie es im Prostitutionsgesetz vorgesehen ist

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Solidaritätsbekundung: Missy Magazine und Irmingard Schewe-Gerigk – und vermutlich noch mehr

Angesichts der Angriffe, die das Emma-Magazin in den letzten Wochen gegen Frauen und Feminist*innen veröffentlicht hat, die sich für eine differenzierte Ansicht zum Thema Prostitution einsetzen, möchte ich an dieser Stelle meine Solidarität für diese auf unfaire Weise angegriffenen Menschen äußern, darunter Irmingard Schewe-Gerigk (Terre des Femmes und Bundestagsabgeordnete a.D.) und Stefanie Lohaus (Missy Magazin).

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Menschenhandel und Prostitution im Koalitionsvertrag – kaum Fortschritte

Gestern wurde der erste Entwurf des Koalitionsvertrags veröffentlicht. Darin werden auch die Themen Menschenhandel, Prostitution sowie andere Menschenrechtsverletzungen thematisiert. Die relevanten Abschnitte habe ich in dieser Datei kommentiert und mit einigen (sicherlich noch unvollständigen) Änderungsvorschlägen versehen.

Auch der KOK e.V. (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess) äußert sich in einer ersten Einschätzung zum Koalitionsvertrags kritisch:

Gerade als Organisation, die sich für die Rechte von Betroffenen von Menschenhandel  unter Beachtung  frauenspezifischer Aspekte einsetzt, erachten wir es als sehr wichtig,  Frauen besser vor Menschenhandel  zu schützen. Aber nicht nur Frauen, sondern auch Männer, Minderjährige und Transsexuelle können von Menschenhandel betroffen sein und benötigen Schutz.

Wir begrüßen das Vorhaben, das Aufenthaltsrecht für Betroffene von Menschenhandel zu verbessern, bedauern es jedoch, dass das Vorhaben einerseits nicht klarer umschrieben wird und anderseits das Aufenthaltsrecht erneut im Zusammenhang mit der Mitwirkung bei der Strafverfolgung diskutiert wird. Betroffe­nen des Menschen­handels ist ein Aufenthaltstitel zu erteilen, unabhängig von ihrer Koope­rations­bereitschaft gegenüber den Strafverfolgungs­behörden und ihrer ZeugInneneigenschaft, auch über das Prozess­­ende hinaus. Den Vorschlag die intensive Unterstützung, Betreuung und Beratung zu gewährleisten, sehen wir als Bestärkung unserer langjährigen Forderung einer finanziell stabilen Sicherung und des Ausbaus eines flächendeckenden niedrigschwelligen, anonymen Unterstützungssystems von Frauenhäusern und Fachberatungsstellen.

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Das französische Gesetz gegen Prostitution: Wenn der Staat Freiheiten einschränkt – Bevormundung, Entmündigung und Zensur

Einvernehmliche sexuelle Handlungen unter Erwachsenen gegen Entgelt werden unter Strafe gestellt. Webseiten können einfach gesperrt werden. Mit einem unverhältnismäßigen Eingriff in die Freiheit der Bürger_innen, will Frankreich angeblich für die Befreiung von Prostituierten kämpfen.

Am 28. November 2013 stimmt das französische Parlament über einen Gesetzesentwurf zur Bekämpfung der Prostitution ab. Dieses Gesetz wird aus verschiedenen Perspektiven kritisiert. Insbesondere die pauschale Bestrafung von Kunden von Sexarbeitern wird von Organisationen ausverschiedenen Bereichen kritisiert, darunter Sexarbeiter-Organisationen, AIDS-Hilfen, aber auch Frauen-Organisationen.

Gegen den Gesetzentwurf äußern sich auch feministische Stimmen, wie z.B. das „Collectif du 8 mars pour toutES„. Das Kollektiv prangert in einem offenen Brief insbesondere die Exklusion von Prostituierten aus der Debatte, was sie als nicht-feministisch einstufen, sowie den repressiven Charakter des Gesetzes an.

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Der „deutsche Skandal“ der Prostitution. Und wie Sexarbeiter*innen zu Frauenhändlern wurden

Ja, wir müssen uns mit dem Thema Prostitution, der Frage beschäftigen, wie man die Arbeits- und Lebensbedingungen von Prostituierten verbessern kann und wie man Menschenhandel verhindern kann. Aber nicht so. Dieses Buch ist der falsche Ansatz sowohl bei der Bekämpfung des Menschenhandels (der auch in anderen Branchen stattfindet) als auch bei Stärkung der Rechte von Sexarbeitenden. Das Buch wühlt emotional auf, bietet aber kaum eine Quelle an, wenn es um Fakten geht.

Was für ein Wissen ist das, was Alice Schwarzer verkauft? Wie fundiert ist es und was kann man damit anfangen? Kann ich überhaupt solche Fragen an ein Buch herantragen, das weiter entfernt von Wissenschaftlichkeit nicht sein könnte? Wie kann ich ein Buch rezensieren, das auf der Prämisse fundiert zu sein scheint, dass man Wissen erfinden kann, solange die Botschaft ankommt? Und die Botschaft ist klar: Prostitution gehört abgeschafft.

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Prostitutionsverbot eine Heilslehre?

eidgenossin

In Deutschland hat Alice Schwarzer ein Prostitutionsverbot gefordert und heftige öffentliche Diskussionen ausgelöst. In der Schweiz präferiert man das Schwedenmodell, bei dem Freier bestraft werden sollen. Ziel beider Forderungen, die Prostitution zum Verschwinden zu bringen. Notfalls könnte man sich noch vorübergehendend mit einer Eindämmung des Phänomens zufrieden geben.

Ich habe darüber nachgedacht. Was würde denn passieren, wenn ein solches Verbot eingeführt würde. Dazu gehört auch das „Schwedenmodell“. Freier bestrafen, kriminalisiert auch die Sexarbeiterinnen. Zeigt eine Prostituierte einen Freier an, dann hat sie sich an einer Straftat beteiligt.Wird sie dafür nicht vom Gesetz bestraft, so doch zumindest moralisch. Sie wird dann registriert und kann ihren Beruf nicht mehr ausüben. Wenn sie zu dieser Arbeit gezwungen wurde, dann wird ihr Aufenthaltstatus darüber entscheiden, ob sie in ihr Heimatland abgeschoben wird oder bleiben und sich eine andere Arbeit suchen kann. Und was sagt sie dann über ihr berufliches Vorleben? „Ich wurde zu Zwangsarbeit…

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Warum ich den Appell gegen Prostitution der EMMA und von Alice Schwarzer ablehne

Dieser Beitrag wurde ursprünglich veröffentlicht auf kleinerdrei.org.

90 Prominente aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft haben Alice Schwarzers Appell gegen Prostitution unterzeichnet. Am 7. November 2013 erscheint Alice Schwarzers neues Buch „Prostitution – Ein deutscher Skandal. Wie konnten wir zum Paradies der Frauenhändler werden?“ Weder das Buch, die ausgezeichnet geplante PR-Kampagne oder die Unterschriften der Prominenten machen die Forderungen und Argumente im Appell sinnvoller.

Prostitution ist keine Sklaverei   

Der peinliche Fehler in der (angeblichen) Investigativrecherche der Welt am Sonntag über Prostitution

Vor einigen Wochen hatten des Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) und der KOK e.V. zu einer Pressekonferenz zum Thema Opferschutz in der Bekämpfung von Menschenhandel eingeladen.

In der gestern in der Welt am Sonntag veröffentlichten (angeblichen) Investigativrecherche ist zwar ein langes Interview mit Frau Schwarzer drin, während das DIMR und der KOK (obwohl sie die eigentlichen Expert_innen zu diesem Thema sind) nur am Ende in einem Beitrag erwähnt werden.

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In der Presse: Appell für und gegen Prostitution

Am Montag veröffenlichten Alice Schwarzer und die EMMA-Zeitschrift ihren Appell gegen Prostitution. Am Tag darauf wurde der Appell für Prostitution durch Sexarbeiter_innen bzw. durch den Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen veröffentlicht und von mir mitgezeichnet und unterstützt.

Warum unterstütze ich den Appell der Sexarbeiter_innen, obwohl ich mich gegen Menschenhandel engagiere? Ich müsste doch Prostitution auch abschaffen wollen? An dieser Stelle möchte ich ein paar kurze Gründe darlegen, warum ich mich für den Appell für Prostitution entschieden habe:

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Mythen der Prostitution

eidgenossin

Mythen der Prostitution

Früher gab es zwei Sorten von Frauen, die Anständigen und die Unanständigen, die Ehrbaren und die Huren.

Prostitution zementiert diese Unterteilung der Frau. Das Magazin Emma rief deshalb eine Petition ins Leben, um die Abschaffung der Prostitution zu fordern. Das Magazin, und mit ihm viele Feministinnen, haben aber ihre Hausaufgaben nicht gemacht: wenn die Prostitution abgeschafft werden könnte, würde das nichts am Rollenbild Mann/Frau ändern. Denn in den Köpfen würde es weiterhin zwei Sorten Frauen geben: die Unabhängigen und die Opfer. Entweder sind sich die Befürworterinnen dessen nicht bewusst, oder sie wollen es sogar so, da sie in dieser Konstellation ja zweifelsfrei zu den „besseren“ Frauen gehören.

Dass Prostituierte schon immer stigmatisiert wurden, ist ein Mythos. Im Mittelalter bis zum Beginn der Neuzeit galten sie als ehrbare Frauen, einfach dem unteren Stand angehörend. Die Bordelle befanden sich im Besitz von Städten, Klöstern und der Kirche. Dirnen nahmen…

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APPELL FÜR PROSTITUTION – für die Stärkung der Rechte und für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in der Sexarbeit

Appell für Prostitution –
Für die Stärkung der Rechte und für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen in der Sexarbeit

Prostitution ist keine Sklaverei. Prostitution ist eine berufliche Tätigkeit, bei der sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt angeboten werden. Ein solches Geschäft beruht auf Freiwilligkeit. Gibt es keine Einwilligung zu sexuellen Handlungen, so handelt es sich nicht um Prostitution. Denn Sex gegen den Willen der Beteiligten ist Vergewaltigung. Das ist auch dann ein Straftatbestand, wenn dabei Geld den Besitzer wechselt.

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Alice Schwarzer und Sabine Constabel polarisieren die Debatte um Prostitution – in die falsche Richtung

Vor inzwischen fast drei Wochen löste Alice Schwarzer in der taz eine Debatte um Prostitution aus. Den eingeplanten, letzten Beitrag von Sabine Constabel hätte die taz nur nach einer Überarbeitung veröffentlicht. So kam der Beitrag in die EMMA – inklusive einer Zensur-Anschuldigung. Über diese ganze Debatte habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Eine kurze Einschätzung gibt es auch bei W&V.
Nachtrag: Am 11.09.2013 ist ein weiterer Artikel von Monika Frommel zu diesem Thema in der taz erschienen, den ich sehr empfehle.

Als ich Sabine Constabels Replik auf Dona Carmens Replik auf Alice Schwarzers etwas verkürzten Angriff auf die Grünen gelesen habe, war ich froh, dass diese in der EMMA erschienen war. Dort passt sie einfach besser hin. Wegen der angeblichen Zensur bei der taz kann man sich aufregen, aber vielleicht auch nicht. Mein Profil und meine Seite sind schon sehr lange auf Emma blockiert, nachdem Kommentare ohne Vorwarnung gelöscht wurden. Zensur habe ich von Seiten der EMMA erfahren, die sicherlich auch diesen kritischen Beitrag nicht veröffentlichen würde. Dennoch habe ich kein Recht darauf, einen Begriff wie „Zensur“ in diesem Kontext zu verwenden. Ich kann eben auch woanders schreiben und der Staat verbietet es mir (noch) nicht. Auch Constabels Ansicht ist letztendlich nach außen gekommen und sie ist sichtbar. Zensur heißt in meinen Augen etwas anderes, nämlich Unsichtbarmachung, bewusste und gezielte Unterdrückung von Meinungen – tendenziell durch den Staat. So lange es irgendeine Plattform gibt, auf der Frau Constabel sich äußern kann, ist das keine Zensur. Wenn Emma das Gegenteil behauptet, dann hat EMMA eben auch meine Beiträge zensiert.  Aber darum geht es mir hier nicht. Hier möchte ich ein paar Begriffe und Themen anders aufrollen, als es in den letzten Jahren in Deutschland üblich ist – anders als es EMMA, Alice Schwarzer und Sabine Constabel tun.

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Österreich: Flüchtlinge, angebliche Schlepper und ein zynischer Wahlkampf

Schlepperverdacht: Polizei durchsuchte Servitenkloster

Schlepperverdacht: Polizei durchsuchte Servitenkloster

Flüchtlinge werden gerne instrumentalisiert, gerade im Wahlkampf. So hat vergangene Woche das österreichische Innenministerium zusammen mit krone.at angebliche Zahlen und Fakten in die Welt gesetzt, die Flüchtlinge als Schlepper, d.h. als Kriminelle, brandmarken, die unglaubliche Profite erwirtschaftet hätten (die falschen Zahlen reproduzieren wir hier nicht). Diese Zahlen wurden dann von fast allen Medien übernommen – ein unkritisches Kopierverhalten, das auch in deutschen Medien beim Thema Menschenhandel sehr beliebt ist.

So werden Flüchtlinge plötzlich als Menschenhändler gebrandmarkt, die Unmengen an Geld verdienen. Die Vorwürfe wurden in diesem Fall u.a. genutzt, um acht pakistanische Flüchtlinge abzuschieben – mehr Abschiebungen sollen folgen. Flüchtlinge wurden zum Instrument des österreichischen Wahlkampfs. Weiterlesen →

„FBI rettet 105 Jugendliche aus der Prostitution…“

FBI rescues more than 100 children, arrests 150 pimps in sex-trafficking raid | Fox News 2013-07-31 13-54-28Diese Schlagzeile zischt grade durch die weltweiten Newskanäle und das FBI feiert sich als Retter* von 105 „Kinderprostitutierten“. Ferner wurden 150 „Zuhälter und andere Individuen“ verhaftet.

Vor der Kritik: Wir begrüßen jede ernst gemeinte Untersützung von Opfern von kommerziellem sexuellem Missbrauch (aus ethischen Gründen sollte man das nicht „Kinderprostitution“ nennen). Aber bevor wir diese Aktion feiern, müssen wir genauer hinschauen. Denn was die Presse bei dieser unkritischen und nicht weiter vertieften und recherchierten Wiederholung und Reproduktion einer Pressemitteilung des FBI übersieht, ist:

In den USA gelten Minderjährige in der Prostitution nicht immer als Opfer – sie gelten als Kriminelle und werden inhaftiert, weil sie der Prostitution nachgehen. Wer auch immer der Prostitution nachgeht oder sich so verhält, als würde er/sie/* das tun, kann verhaftet werden, egal ob minderjährig oder erwachsen. Noch 2012 hatten nur drei US-Bundesstaaten Minderjährige in der Prostitution entkriminalisiert. In allen anderen Staaten galten sie als Täter_innen. Die offizielle Statistik für 2011 ist deutlich genug: 742 Minderjährige wurden wegen Prostitution verhaftet (Um die Zahlen zu sehen: „National Estimates“ –> „Annual Tables“ –> „Offense by age for females“ –> Generate results“). Im Jahr 1980 waren es noch 2.197 Minderjährige (und um die 60.000 Erwachsene), die wegen Prostitution verhaftet wurden.

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Deutschland, das „Hurenhaus“ und der „Puff Europas“?

Seit dem Artikel „Bordell Deutschland“ genießt der Spiegel in seinen verschiedenen Varianten (Print, Online, TV) weder Vertrauen noch Ansehen auf unserer Seite. Die Berichterstattung zum Thema Prostitution wird fälschlicherweise mit Menschenhandel vermischt und Menschenhandel wird verkürzt auf Prostitution – andere Formen von Menschenhandel existieren beim Spiegel scheinbar schlichtweg nicht. Der Medienkonzern ist für das Fehlen einer sachlichen Debatte über Menschenhandel in Deutschland mit verantwortlich und womöglich auch dafür, dass so manche Opfer nie gefunden werden. Unsere lange Kritik an Bordell Deutschland kann man hier nachlesen (Originalbeiträge beim Spiegel verlinken wir nicht. Sie können dafür gerne eine Suchmaschine nutzen).

Wenn es bislang einfach nur schlechter und einseitiger Journalismus war, der fälschlicherweise den Straftatbestand des Menschenhandels (§232 StGB) mit Prostitution (ProstG) verwechselt, muss man sagen, dass man nun von aktiver Diskriminierung von Sexarbeiter_innen sprechen kann.

Der „Begriff „Hurenhaus“ reflektiert die diskriminierende Attitüde im „Spiegelhaus“

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Zwangsarbeit und Arbeitsausbeutung: Menschenhandel ist vielmehr als Frauenhandel

Strafgesetzbuch: § 233 Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft

(1) Wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder der Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer Beschäftigung bei ihm oder einem Dritten zu Arbeitsbedingungen, die in einem auffälligen Missverhältnis zu den Arbeitsbedingungen anderer Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer stehen, welche die gleiche oder eine vergleichbare Tätigkeit ausüben, bringt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine Person unter einundzwanzig Jahren in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer in Satz 1 bezeichneten Beschäftigung bringt.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) § 232 Abs. 3 bis 5 gilt entsprechend. (Quelle)
forced-labor-ilo

Quelle: ILO

Zwangsarbeit und Arbeitsausbeutung sind genauso Formen von Menschenhandel, wie Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung. Weil Politik und Medien sich aber kaum dafür interessieren, gibt es in Deutschland nahezu keine Verurteilungen wegen Menschenhandel zu Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit. Der Begriff Zwangsarbeit fällt in Deutschland fast nur im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus, wobei dabei die Zwangsprostitution in Lagerbordellen und sexuelle Ausbeutung von Frauen oft vergessen wird.

Doch Zwangsarbeit ist kein Relikt der deutschen Geschichte sondern ein hochaktuelles Problem. Einen Info-Film zu diesem Thema hat das Deutsche Institut für Menschenrechte erstellt.

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„Sie heißen nicht Natasha“ – Fotoserie auf ZEIT ONLINE

Auf Zeit Online wurde vor einigen Tagen eine Fotoserie mit dem Titel „Sie heißen nicht Natascha“ veröffentlicht. Abgebildet werden junge Frauen und Kinder, Zimmer und Räumlichkeiten, in denen angeblich Zwangsprostitution stattfindet und ein Mann mit einem Baby im Arm, der sagt: „Ich weiß, was mit meiner Frau passiert ist. Es ist nicht ihre Schuld, niemand hat das Recht, über sie zu urteilen“.

Die Fotoserie soll auf das Leid vieler Frauen hinweisen, die einen Wunsch nach einem besseren Leben hatten, der aber gebrochen wurde – von skrupellosen Menschen, die sie stattdessen sexuell ausgebeutet und vergewaltigt haben. Andere Inhalte bleiben hingegen unkommentiert stehen, verdienen aber mehr Aufmerksamkeit und hätten kritisch hinterfragt werden sollen.

Victim Blaming

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USA – Oberster Gerichtshof: Der Staat darf Organisationen nicht Prostitutionspolitik vorschreiben

In einer Grundsatzentscheidung hat der US-Amerikanische Supreme Court entschieden, dass die sogenannte „Anti-Prostitution Pledge“ gegen das First Amendment der Meinungsfreiheit verstößt. Geklagt hatte die Nicht-Regierungsorganisation Alliance for Open Society International mit der Unterstützung u.a. der ACLU – American Civil Liberties Union.

Das Urteil wird weitreichende Folgen für die Förderung der Arbeit in den Bereichen HIV-Gesundheitsprävention und Bekämpfung des Menschenhandels durch US-amerikanische Organisationen im Ausland haben. Auch die LGBT-community wird davon profitieren. Ihre Arbeit und Meinungsfreiheit wurden bisher durch die Klausel stark eingeschränkt.

The Policy Requirement compels as a condition of federal funding the affirmation of a belief that by its nature cannot be confined within the scope of the Government program. In so doing, it violates the First Amendment and cannot be sustained. (Urteil, S. 15) Weiterlesen →

12. Juni: Tag gegen Kinderarbeit. Wie eine faire Sozialpolitik und faire Arbeitsbedingungen für Erwachsene Kinderarbeit reduzieren können

Weltweit arbeiten Millionen von Kindern unter ausbeuterischen Bedingungen. Viele von ihnen arbeiten, weil die Armut zu groß ist, um ohne Arbeit zu überleben. In Bolivien haben sich Kinder zu Gewerkschaften zusammengeschlossen, um für Arbeitsrechte zu kämpfen – das Verbot von Kinderarbeit halten sie für kontraproduktiv, weil sie dadurch nicht gegen Ausbeutung vorgehen können. Arbeiten müssten sie schließlich trotzdem – warum also rechtlos bleiben? Weiterlesen →

Doku „Sex – Made in Germany“

Heute, am 10. Juni 2013, wird im Ersten (ARD) die Dokue über Prostitution in Deutschland ausgestrahlt. Unter dem Titel „Sex – Made in Germany“ sollen die Schwächen (oder das Scheitern) des Prostitutionsgesetzes gezeigt werden.

Empfehlenswert ist dieses Interview mit den Autorinnen Tina Soliman und Sonia Kennebeck.

Da wir den Beitrag auch erst heute Abend sehen werden, werden wir diesen Blogpost im Laufe des Abends updaten. Falls Sie auch den Spiegel-Artikel „Bordell Deutschland“ gelesen haben sollten, können Sie sich schon mal unsere lange Kritik zu Gemüte führen.

Updates: 

Wir werden keine Kritik schreiben. Es ist keine Doku über Menschenhandel.

Wir empfehlen die Lektüre dieser Kritik an der Darstellung von Prostitution und Sexarbeit in der Doku.

Menschenrechtsverletzungen im Namen des Kampfes gegen Menschenhandel

Dieser Beitrag wurde ursprünglich als Teil der Kritik an einem Spiegel-Artikel “Bordell Deutschland” – Journalismus auf Lücke (SPIEGEL 22/2013) veröffentlicht. 

Die Überschrift mag Sie verwundern, aber im global geführten Kampf gegen Menschenhandel sind Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung – und geschehen ironischer Weise mit der Begründung Menschenrechte schützen zu wollen. Ein paar Beispiele.

In Nigeria werden Frauen, die so aussehen (sic!), als könnten sie Opfer von Menschenhandel werden, an der Grenze gestoppt und in Gewahrsam genommen. Obwohl es ein Menschenrecht auf das Verlassen des eigenen Landes gibt, wird inzwischen in vielen Ländern die Migration von Frauen eingeschränkt, damit diese nicht Opfer von Menschenhandel werden. Weiterlesen →

„Bordell Deutschland“ – Journalismus auf Lücke (SPIEGEL 22/2013)

Wie lückenhafter Journalismus dazu beiträgt, dass in Deutschland eine sachlich fundierte Auseindersetzung zum Thema „Menschenhandel“ ausbleibt. Team wallraff

Die Abbildung (siehe oben) ist kein echter Spiegel-Titel. (Graphik: Matthias Lehmann)

Der rote Regenschirm ist das Symbol der Bewegung für die Rechte von Sexarbeiter_innen. Die Abbildung (siehe oben) ist kein echter Spiegel-Titel. (Graphik: Matthias Lehmann)

Diese Woche erschien die Ausgabe DER SPIEGEL 22/2013. Obwohl der deutsche Verteidigungsminister De Mazière gerade um seinen Job bangt ob des Eurohawk- Skandals, wartet der Spiegel mit einem Titelblatt auf, das man eher von der BILD erwarten würde, nebst einer sachlich mehr als fragwürdigen Überschrift, die den Staat der Förderung des Menschenhandels bezichtigt. Die Kritik am Staat wäre angesichts der über 600 Millionen Euro an verschwendeten Steuergeldern an anderer Stelle weitaus passender gewesen.

Vorab möchte ich Ihnen einen Kommentar der im Spiegel interviewten Berliner Sexarbeiterin Carmen Amicitiae, die Stellungnahme der Prostituiertenorganisation Dona Carmen e.V (Frankfurt) sowie eine Stellungnahme auf internet-law.de empfehlen. Eine kürzere, englischsprachige Kritik gibt es hier.

Nachtrag 29.05: Den ungewollten Werbeeffekt möchten wir durch den Hinweis darauf entkräften, dass Ihnen der Spiegel-Artikel nach der Lektüre dieses Beitrages nicht mehr viel wird beibringen  können. Auch von der Länge dürfte das ungefähr ähnlich sein. Kaufen Sie den SPIEGEL also lieber nicht.

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Der Aufstand der Migranten. Eine globale Bewegung gegen Diskriminierung und Ausbeutung. (Buch)

SECOND REPLACEMENT The immigrant war [FC]Longhi, Vittorio: The immigrant war. A global movement against discrimination and exploitation, The Policy Press, Bristol 2013, gebunden, 156 S. Preis: 23,99 € (Kindle: 5,82 €). 

„Der Aufstand der Migranten. Eine globale Bewegung gegen Diskriminierung und Ausbeutung“ ist ein Buch über Migration, über die Geschichten von Migrantinnen und Migranten und ihrem Leben in dem, was Wissenschaftler_innen das „Zielland“ nennen würden. Es sind Geschichten der Ausgrenzung, Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung, die jedoch kollektiven Widerstand bewirkt haben und Migrant_innen weltweit zu neuen politischen und sozialen Akteur_innen gemacht haben.

„Der Aufstand der Migranten“ ist nur indirekt ein Buch über Menschenhandel. Doch der italienische Journalist Vittorio Longhi zeigt, dass die prekäre rechtliche und gesellschaftliche Situation vieler Migrant_innen ein zentraler Faktor für Menschenhandel und sklavenähnliche Ausbeutungsverhältnissen ist.

Migrant_innen: Man will ihre Arbeit, aber nicht ihre Rechte Weiterlesen →

Associated Press USA lehnt den Begriff „illegale Einwanderer“ ab. Wann werden deutsche Medien folgen?

2. April 2013: Nach langen, intensiven Kampagnen beschließt die Presseagentur Associated Press endlich den Begriff „illegal immigrant“ („illegaler Einwanderer“) aus dem „AP Stylebook„, einer Art „Journalisten-Bibel“, zu entfernen. Nachdem AP im November 2012 noch für den Begriff plädiert hatte, kam gestern der Umschwung, der im AP Blog unter dem Tiel „‚Illegal immigrant‘ no more“ erläutert wird.

„Handlungen“ könnten illegal sein, nicht aber Personen. Die Handlung der illegalen Einreise oder des illegalen Aufenthaltes könnten eben als „illegal“ beschrieben werden, nicht jedoch die Person, die diese Handlungen ausführt. Die interne Diskussion kam auf, als entschieden wurde, dass nicht von „Schizophrenen“ gesprochen werden sollte, sondern von „mit Schizophrenie diagnostizierten“ Menschen. Nicht Menschen sollten beschrieben werden sondern deren Verhalten. Und wenn es keine „Schizophrenen“ gibt, dürfe es auch keine „Illegalen“ geben. Dementsprechend lautet nun der neue Eintrag im AP Sytlebook: Weiterlesen →