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Rio+20: Nachhaltige Entwicklung ohne Ausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel

17/06/2012

Kommende Woche findet in Rio de Janeiro die UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung statt. Schon lange bedeutet „Nachhaltige Entwicklung“ nicht nur ökologische sondern auch soziale Nachhaltigkeit – nicht Natur und Umwelt sondern auch Menschen, als Mitglieder einer Gemeinschaft und als Arbeitskräfte, sollen berücksichtigt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Zwangsarbeit und Menschenhandel abgeschafft werden.

Eine „grüne“ Entwicklung ist nur nachhaltig, wenn auch soziale und Arbeitsstandards „nachhaltig“ sind. Formen der Ausbeutung, wie Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Schuldknechtschaft, sowie Formen sexueller und sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz (und im Privatleben), sind im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung abzuschaffen. Doch das Thema ist auf der offiziellen Homepage kaum zu finden, obwohl mehrere Organisationen gerade diesen Aspekt einbringen werden.

Faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind zentral für eine nachhaltige Entwicklung, so die Internationale Arbeitsorganisation.

Beim Übergang zu einer grünen Wirtschaft wurden menschenwürdige Arbeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen neben Punkten wie Verringerung von Armut, Nahrungsmittelsicherheit und Landwirtschaft, Wasser, Ozeane, Zugang zu Energie, nachhaltige Städte sowie Belastbarkeit und Katastrophenvorsorge als Fragen von  zentraler Bedeutung bezeichnet. (…)

Menschenwürdige Arbeit leistet einen Beitrag zu wirtschaftlichem Wachstum, zu sozialem Fortschritt und zu Inklusion. Es sind die Arbeitsstätten, wo die  sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Dimensionen untrennbar miteinander verbunden sind. (ILO, Vorbereitungen der IAO für die Konferenz der Vereinten Nationen im Jahr 2012 über nachhaltige Entwicklung „Rio+20“)

Menschenwürdige Arbeit ist heute, im Jahr 2012, nicht selbstverständlich. Geschätzte 21 Millionen Menschen arbeiten heute unter Bedingungen, die wir als „Zwangsarbeit“ bezeichnen können. Insbesondere migrantische Arbeitnehmer_innen sind weltweit Ausbeutung ausgesetzt und werden durch die staatliche und internationale Gesetzgebung kaum geschützt.

Vor diesem Hintergrund fordert z.B, die kanadische Initiative CATHII – Comité d’action contre la traite humaine interne et internationale die weltweite Ratifizierung der Internationalen Abkommens zum Schutz von Wanderarbeitnehmer_innen und der Haushaltsarbeiter_innen (domestic workers). Eine nachhaltige Entwicklung sollte frei sein von Menschenhandel und Zwangsarbeit.

Sustainable development should be free from human trafficking and all forced labor. (CATHII Kampagne für Rio+20

Um eine nachhaltige Entwicklung ohne Menschenhandel, Zwangsarbeit und Ausbeutung  möglich zu machen, müssen nicht nur Staaten und Unternehmen aus dem Privatsektor Handeln sondern auch Konsumentinnen und Konsumenten handeln.

Staaten müssen für die Ratifizierung und Umsetzung internationaler Arbeitsnormen sorgen, die den Schutz von Arbeiter_innen erst ermöglichen. Zu diesen Arbeitsnormen zählt die Internationale Arbeitsorganisation folgende Prinzipien:

  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
  • der Abschaffung von Zwangsarbeit
  • der Abschaffung von Kinderarbeit
  • Freiheit von Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf
  • vier ordnungspolitischen Übereinkommen über Arbeitsaufsicht, dreigliedrige Beratungen und Beschäftigungspolitik
  • Recht auf eine sichere und gesunde Arbeitsumgebung (im Kontext von Gefahren durch neue Technologien und Berufe in der grünen Wirtschaft besonders relevant)

Unternehmen müssen für die Einhaltung dieser Standards sorgen, d.h. dass sie auch ihre Lieferketten überprüfen müssen und, so wie es zur Zeit in Kalifornien der Fall ist, über ihre Anstrengungen ihre Lieferketten von Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Sklaverei zu befreien, berichten (sie dazu das California Supply Chain Transparency Act, das im Januar 2012 in Kraft getreten ist).

Doch auch wir, Konsumentinnen und Konsumenten, die tagtäglich so viele Produkte benutzen, von denen wir gar nicht mehr wissen, wie sie gemacht werden und woher sie kommen, sollten uns Gedanken darüber machen, wir wir als Endstation in der Wertschöpfungskette, zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können, die auch „menschenwürdige Arbeit“ beinhaltet.

Unser Beitrag fängt mit Fragen an, z.B. solchen Fragen:

  • Woher kommt das Produkt, das ich gerade kaufen will – mein Handy, mein Laptop, meine Unterwäsche, meine Jeans, meine Halskette, meine Schokolade?
  • Wer hat dafür gearbeitet, dass ich heute, hier in Deutschland dieses Produkt kaufen kann? Und unter welchen Bedingungen?
  • Wurden Dörfer, Wälder, Gemeinschaften, Tierarten zerstört, um mir den Kauf dieses Produktes zu ermöglichen?
  • Wie nachhaltig konsumiere ich – hier und jetzt?
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