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Solidaritätsbekundung: Missy Magazine und Irmingard Schewe-Gerigk – und vermutlich noch mehr

02/12/2013

Angesichts der Angriffe, die das Emma-Magazin in den letzten Wochen gegen Frauen und Feminist*innen veröffentlicht hat, die sich für eine differenzierte Ansicht zum Thema Prostitution einsetzen, möchte ich an dieser Stelle meine Solidarität für diese auf unfaire Weise angegriffenen Menschen äußern, darunter Irmingard Schewe-Gerigk (Terre des Femmes und Bundestagsabgeordnete a.D.) und Stefanie Lohaus (Missy Magazin).

Es ist unhaltbar, dass in manchen feministischen Kreisen die demokratisch gewährleistete Meinungsfreiheit beim Thema „Prostitution“ nicht zu existieren scheint. Kämen diese Frauen an die Macht, würde ich um die Demokratie bangen.

Es ist unhaltbar, dass in manchen feministischen Kreisen völlig akzeptabel erscheint, Daten und Fakten zum Thema Prostitution und Menschenhandel zu erfinden.

Es ist unhaltbar, dass einvernehmliche sexuelle Handlungen unter Erwachsenen mal als Sklaverei, mal als Pädophilie, mal als keine Ahnung was dargestellt werden. Lasst uns alles in einen Topf werfen – das hilft den Betroffenen am meisten (Ironie).

Es ist unhaltbar, dass hier Hass unter Frauen geschürt wird und es letztendlich darum zu gehen schein, wer eine gute Frau und Feministin ist und wer nicht.

Es ist unhaltbar, dass in dieser ganzen Debatte die Medien wie Marionetten mitspielen und sich (gefühlt) als kostenloses PR-Sprachrohr für diese fragwürdige politische Kampagne nutzen lassen. Warum tun sie das nur bei diese Kampagne und welche großen Mächte und finanzstarken Kräfte stecken dahinter?

Es ist unhaltbar, wie Prostitutionsgegner Prostituierten, die positiv von ihrer Arbeit berichten, als „privilegiert“ abstempeln, ihnen damit das Recht auf Mitsprache und Beteiligung nehmen wollen und man mit dem bitteren Gefühl verharrt und sich fragt: „Warum regen die sich auf, dass diese Frau nicht zur Prostitution gezwungen wird? Warum freuen sie sich nicht? Wollen (?) sie etwa, dass auch diese Frauen gezwungen sind?“

Es ist unhaltbar, dass die selbstbewusst auftretende Prostituierte als Gegnerin, Gefahr und Feindin stilisiert wird.

Es ist unhaltbar, dass im Namen der Menschenrechte und Menschenwürde, Hass und Abneigung gegenüber Prostituierten geschürt wird (natürlich nur gegen diejenigen, die öffentlich auftreten).

Es ist unhaltbar, wie Roma-Frauen, die in der Prostitution arbeiten (ja einige von ihnen unfreiwillig), in diesem Kampf instrumentalisiert werden – wobei man genau weiß, dass diese Roma-Frau nie sprechen wird. Dafür ist sie als „Roma“ zu sehr diskriminiert.

Es ist unhaltbar, dass über Roma-Frauen gesprochen wird, diese in die Opferrolle gezwungen werden und dabei kein Wort über Anti-Romanismus und Diskriminierung von Roma in Europa verloren wird. Vermutlich käme das ja einer Selbstkritik nahe.

Die Kampagne gegen Prostitution ist unhaltbar.

Was ist noch unhaltbar? Bitte als Kommentar (wird moderiert!)

2 Kommentare
  1. Georg Völkl permalink
    03/12/2013 10:14

    Untragbar diese Medien Demokratie. Deutschland taumelt von einem Hype zum anderen und die BürgerInnen sitzen immer schachmater im Fernsehsessel. Der angerichtete Schaden ist immens da die Diskussion bisher keine Hilfe für die Migranten und Migrantinnen aufzeigt außer Polizeigewalt: Da kommt der Zuhälter und beutelt sie. Dann kommt der Freier und beutelt sie. Und dann kommt die Polizei und beutelt sie. Da soll sie dann nicht traumatisiert sein. Deutschland hat ein Problem im Umgang mit Minderheiten. Aktuell ist Schwarzer der Hit. Man kann sich aber schon ausmalen wie schnell die Wende kommt. Darum ist Frau Schewe-Gerigk gerade richtig bei TDF auch wenn es nach Roßkur aussehen mag. Ihre 2002-Mitstreiter haben wohl Redeverbot. Da hat es Frau Schewe-Gerigk besser getroffen. Ihr Mut und Ihre Überzeugung das alleine durchzustehen sind schon enorm. Und es gäbe noch viele Themen: Warum müssen sich Männer immer noch beweisen? Das ist ein Frauenthema auch wenn Frau es nicht glauben will. Geradezu grotesk finde ich die Debatte über Freierbestrafung. Nicht dass sie nicht sein soll. Aber soll Deutschland doch erstmal seine Hausaufgaben machen damit „Nein heißt NEIN!“ auch in Deutschland gilt. Stattdessen wird Stigmatisiert, Diskriminiert und Kriminalisiert. Nach den Sex Workers und den Freiern werden es jetzt dann die Roma sein. Stigmatisieren, dismriminieren und kriminalisieren da ist Deutschland Spitze. Der Diskussionsverlauf bei Maischberger sollte einmal im Sozialkundeunterricht analysiert werden samt Aufsatz im Deutschunterricht. Da ist Deutschland Mega-Out.
    Was das Thema Sexarbeit anbelangt habe ich die Hoffnung dass einige Unternehmen in Richtung Zertifikat mit entsprechenden Statuten vorangehen (denn die Geldgier wird es noch lange geben und dazu zähle ich die verantwortungslosen Hoteliers ebenso) damit Freier sich orientieren können. Dazu gehören beispielsweise Mitbestimmung bis Selbstverwaltung (Stichwort: aufmüpfige Sexworkers sind die besten). Dann muß eine radikale Abkehr von prostitutionsfeindlichen Trägern vollzogen werden. Selbsthilfegruppen könnten sich neu ausrichten, europaweit, spezialisiert auf Tätigkeit, Sprache, Herkunft. Der Aufschrei darf jetzt nicht mehr verstummen.

  2. Wolfgang permalink
    02/12/2013 21:44

    Es ist unhaltbar, dass Freier pauschal als frauen-erniedrigende Monster dargestellt werden.

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