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Katar: Amnesty International prangert Ausbeutung von migrierten Hausangestellten an

23/04/2014

In Katar arbeiten ausländische Hausangestellte sehr häufig unter ausbeuterischen Bedingungen und haben keine rechtlichen Möglichkeiten sich zu wehren. „Die überwiegend weiblichen Hausangestellten sind der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert, müssen Demütigungen und Gewalt erleiden und die Behörden in Katar tun nichts, um die Frauen zu schützen“, sagt Regina Spöttl, Katar-Expertin von Amnesty International in Deutschland,  anlässlich der Veröffentlichung des neuen Amnesty-Berichts „My sleep is my break“: Exploitation of domestic workers in Qatar („Der Schlaf ist meine Pause“) am Mittwoch.

In dem Golfstaat arbeiten mindestens 84.000 Frauen als Hausangestellte, die meisten kommen aus Süd- und Südostasien. Nach Recherchen von Amnesty arbeiten einige von ihnen entgegen ursprünglicher Versprechungen bis zu 100 Stunden in der Woche und haben keinen freien Tag. Amnesty International interviewte 52 weibliche ausländische Hausangestellte und sprach unter anderem mit Behördenvertretern in Katar, sowie Anwerbeagenturen. Die Frauen berichteten, dass sie geschlagen, an den Haaren gezogen und die Treppe herunter gestoßen wurden. Drei Frauen wurden demnach vergewaltigt. In keinem der Fälle wurden die Arbeitgeber nach Aussagen der Frauen zur Rechenschaft gezogen.

Im Bericht wird das Schicksal einer Frau aus Indonesien beschrieben, die von ihrer Arbeitgeberin mit einem Bügeleisen misshandelt wurde. Als sie flüchtete, wurde sie von der Polizei in ein Abschiebezentrum gesteckt.

Für ausländische Hausangestellte  gilt das Arbeitsgesetz in Katar nicht. Somit gibt es keine Arbeitszeitbeschränkungen, keinen Anspruch auf freie Tage und keine Möglichkeit, eine Beschwerde bei den Behörden einzureichen. Das Land können sie nicht so einfach verlassen: Nach dem sogenannten Sponsorengesetz von 2009 sind ausländische Arbeiter verpflichtet, sich eine Genehmigung ihres Arbeitgebers einzuholen, wenn sie aus Katar ausreisen möchten. „In einigen Fällen, in denen Hausangestellte über die Arbeitsbedingungen getäuscht wurden, zur Arbeit gezwungen und mit Strafen bedroht wurden, ist von Zwangsarbeit auszugehen“, sagt Spöttl.

„Katar steht wegen der Fußballweltmeisterschaft 2022 im Rampenlicht und wurde wegen der schlechten Bedingungen für ausländische Arbeiter international bereits heftig kritisiert“, sagt Spöttl. „Die Hausangestellten, die keinerlei Rechte haben und teilweise völlig isoliert in den Häusern ihrer Arbeitgeber leben müssen, sind dem Missbrauch und der Gewalt in einem noch höheren Maß ausgesetzt. Die katarische Regierung muss endlich ihre Versprechungen umsetzen und die Rechte der Hausangestellten im Arbeitsgesetz schützen.“ 

Petition von Amnesty hier

Dieser Text ist eine Pressemitteilung von Amnesty International

Weitere Artikel über Ausbeutung von migrierten Hausangestellten (migrant domestic workers) sind hier zu finden.

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