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Vom Horn von Afrika zum Nahen Osten: grenzüberschreitender Menschenhandel mit eritreischen Asylsuchenden

16/02/2014

Autorinnen: Laurie Lijnders und Sara Robinson; Übersetzung: Samantha Neu; ursprünglich erschienen im Anti-Trafficking Review antitraffickingreview.org

Abstract

Eritreische Flüchtlinge protestieren in Israel, Tel Aviv; Bild: Karen Zack / Physicians for Human Rights; (CC BY-NC-ND 2.0)

Jeden Monat fliehen Hunderte von Männern, Frauen und Kindern aus Eritrea wegen schwer-wiegender Verletzungen der Menschenrechte, die durch die eritreische Regierung begangen werden. Geschätzte 36.000 Eritreer wurden in den letzten sieben Jahren nach Israel geschmuggelt. Für 31% der für diese Forschungsarbeit Interviewten, beinhaltete die Migration unter anderem Entführung und Erpressung. Migrant/-innen/-innen wurden im östlichen Sudan, an der Grenze zu Eritrea, entführt und entlang der sudanesisch-ägyptischen Grenze an kriminelle Gangs verkauft. Die Gangs hielten die Migrant/-innen gewaltsam in der nördlichen Sinai-Wüste gefangen. Viele der Flüchtlinge berichteten, im östlichen Sudan und in der nördlichen Sinai-Wüste als Geiseln gehalten und brutal behandelt worden zu sein. Hierzu zählen auch Massenvergewaltigungen von Männern und Frauen, Auspeitschungen und zahllose andere Methoden von physischer und psychischer Folter. Obwohl es kein typisches Szenario von Menschenhandel ist, analysiert dieser Bericht das Phänomen in Relation zu Landesgrenzen. Durchorganisierte Menschenhandelsringe nutzten Flüchtlings-wellen aus Eritrea, um das sudanesische Gebiet an der sudanesisch-eritreischen Grenze zu einem Brennpunkt für Entführungen, verschärften Schmuggel und Menschenhandel zu verwandeln. Obwohl das Überqueren der Grenzen um Asyl zu beantragen einen gewissen Schutz vor den Übergriffen der eritreischen Regierung gewähren mag, kommen nun weitere Schwierigkeiten für die Migrant/-innen hinzu, die nun auch noch Schutz und Sicherheit vor den Entführern finden müssen. Während Flüchtlinge Grenzen überqueren müssen um Sicherheit zu finden, schaffen diese Grenzen gleichzeitig geeignete Umstände für Menschenhändler-ringe, um agieren zu können. Wenn sich nicht die Dynamiken der Beteiligten ändern, werden Menschenrechtsverletzungen wie Erpressung, Folter und Menschenhandel im östlichen Sudan und im Sinai weiter voranschreiten.

Einleitung[1]

Jeden Monat fliehen Hunderte von Männern, Frauen und Kindern aus Eritrea wegen schwerer Verletzung der Menschenrechte durch die eritreische Regierung.[2]Politische Unterdrückung und religiöse Verfolgung führen zu Gefangenschaft oder Verschwinden von Tausenden von Bürger/-innen, sowie Massenflucht aus Eritrea.[3] In den letzten sieben Jahren führte der Weg von rund 36.000 Eritreern über die Grenzen hinweg nach Israel.[4] Die brutale Gewalt, die den Migrant/-innen während ihrer Reise zugefügt wurde, wurde in verschiedenen Berichten dokumentiert, die in den letzten vier Jahren mehrheitlich von Menschenrechtsorganisationen geschrieben wurden: Amnesty International in 2013 und in 2011,[5] Human Rights Watch in 2012,[6] Tilburg University in 2012,[7] Physicians for Human Rights-Israel in 2011 und 2010[8] und die Hotline for Migrant Workers in 2012 und 2011.[9]Diese Berichte beschreiben ausführlich, wie entführte Migrant/-innen in die Gefangenenlager nahe der sudanesischen Stadt Kassala, an der Grenze zu Eritrea, gelangen. Hier werden sie gefangen gehalten und dazu gezwungen Lösegeld zu bezahlen.[10] In den meisten Fällen werden sie dann durch gut organisierte Menschenhandelsringe in die nördliche Sinai-Wüste überführt, wo sie erst nach einer Lösegeldzahlung bis zu 50.000 US-Dollar freigelassen werden.[11]

Dieser Artikel geht über diese Befunde hinaus und basiert auf 134 qualitativen Interviews mit Eritreer/-innen, die in Israel und Äthiopien durchgeführt wurden. Unter den Interviewten waren Opfer von Entführungen, Folter, Erpressung und Gefangenschaft bis zu einem Jahr in Gefangenenlager im östlichen Sudan und der nördlichen Sinai Wüste.

Die obenerwähnten Artikel zu diesem Thema sowie die im Rahmen dieser Studie gesammelten Zeugenberichte beschreiben die umfangreiche Brutalität und die Misshandlungen, die die Eritreer in den Gefangenenlagern im Sinai erfahren. Eritreer berichteten von Massenvergewaltigungen von Männern und Frauen, Auspeitschungen und diversen Methoden der Folterung, einschließlich Vergrabung im Sand, Elektroschocks, Aufhängung an Armen und Beinen, Verbrennungen durch heiße Eisenstangen und lange Aufenthalte in der Sonne, während Lösegeld verlangt wurde.

Dieser Bericht wirft ein Licht auf die Rolle von Grenzen bei diesen Misshandlungen. Eritreer fliehen gezwungenermaßen über die eritreische Grenze in den Sudan, um sich vor der brutalen eritreischen Regierung zu schützen. Durchorganisierte Netzwerke von Menschen-händlern nutzen diese Situation aus und verwandeln das Gebiet auf der sudanesischen Seite der eritreisch-sudanesischen Grenze in einen Brennpunkt für Entführungen, schwere Schleusung von Menschen und Menschenhandel. Obwohl das Überqueren der Grenzen um Asyl zu beantragen einen gewissen Schutz vor den Übergriffen der eritreischen Regierung gewähren mag, kommen nun weitere Schwierigkeiten für die Migrant/-innen hinzu, die nun auch noch Schutz und Sicherheit vor den Entführern finden müssen. Während Flüchtlinge Grenzen überqueren müssen, um Sicherheit zu finden, schaffen diese Grenzen gleichzeitig geeignete Umstände für Menschenhändlerringe, um agieren zu können.

Wenn sich nicht die Dynamiken der Beteiligten ändern, werden Menschenrechts-verletzungen wie Erpressung, Folter und Menschenhandel im östlichen Sudan und im Sinai weiter voranschreiten.

Methodik

Dieser Artikel basiert auf 60 qualitativ durchgeführten Interviews mit Eritreern in Israel[12] und 74 Eritreern in Äthiopien. Die Befragten wurden ausgesucht, um verschiedene Ankunftszeiten in Israel und Äthiopien zu reflektieren, um ein besseres Verständnis für die Veränderung der Migration im Laufe der Jahre zu bekommen. Die 134 Befragten trafen zwischen wenigen Wochen und bis zu fünf Jahren vor dem Interview in Israel und Äthiopien ein. Unter den Interviewten waren zehn Lösegeldzahler, die Geld gesammelt hatten, um eritreische Freunde oder Verwandte, welche in der Sinai-Wüste gefangengenommenen waren, zu befreien.

Die Interviews wurden in Restaurants oder in den Unterkünften der Befragten durchgeführt und dauerten zwischen einer und sechs Stunden mit einem Durchschnitt von zweieinhalb Stunden. Die Forscher haben nur Grundkenntnisse in Tigrinya und waren so außerstande direkt mit den Interviewten zu kommunizieren. Die Interviews wurden mit zwei Dolmet-schern durchgeführt, die aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer Stellung in der Gemeinschaft ausgewählt worden waren. Sie führten ethische Trainingseinheiten mit den Forscher/-innen durch.

Terminologie

Abhängig von den Umständen können die Begriffe „Schleusung von Migrant/-innen“, „besonders schwere Formen des Schleusens“ und „Menschenhandel“ [die eigentliche deutsche Übersetzung des Wortes ‚trafficking‘ wäre ‚Handel‘, doch zum besseren Verständnis benutze ich das Wort ‚Menschenhandel‘] gebraucht werden, um die Erfahrungen der Migrant/-innen zu klassifizieren.[13] Alle Migrant/-innen wurden geschmuggelt. Für einige beinhaltete dies Miss-handlungen, die der besonders schweren Formen der Schleusung gleichkamen und für andere kamen Misshandlungen dem Menschenhandel gleich.

Im Zusatzprotokoll gegen die Schleusung von Migrant/-innen auf dem Land-, See- und Luftweg zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (Schmuggelprotokoll) wird der Terminus „Schleusung von Migrant/-innen“ definiert als: „die Herbeiführung der unerlaubten Einreise einer Person in einen Vertragsstaat, dessen Staatsangehörige sie nicht ist oder in dem sie keinen ständigen Aufenthalt hat, mit dem Ziel, sich unmittelbar oder mittelbar einen finanziellen oder sonstigen materiellen Vorteil zu verschaffen“ [siehe: http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20040857/index.html ].[14]

Viele der interviewten Eritreer zahlten Schmuggler, um ihre Einreise in den Sudan und vom Sudan nach Israel zu ermöglichen. Manche Befragten dieser Forschung bezahlten eine vereinbarte Summe und wurden (letztendlich) zu der israelischen Grenze gebracht ohne ausgebeutet oder signifikant misshandelt zu werden. Eine Person sagte Folgendes aus: „Ich blieb eine Woche im Sinai. Ich musste 3.000 US $ bezahlen, man behandelte mich okay.“[15] Ein anderer erklärte: „Nahrung und Wasser reichten nicht aus, jedoch ist keiner gestorben. Niemand bereitete Probleme. Es war nicht schrecklich.“[16] Solche Erfahrungen fallen nicht unter „besonders schweren Formen des Schleusens“ oder „Menschenhandel“.

Andere werden von den Menschenhändeln misshandelt und gegen ihren Willen unter Händlergruppen verkauft. Manche dieser Erfahrungen können als „besonders schwere Form der Schleusung“ klassifiziert werden und wiederum andere treffen die Definition des „Menschenhandels“. Nach dem Schmuggelprotokoll befassen „besonders schwere Formen der Schleusung“ Umstände, die die Gefährdung oder mögliche Gefährdung des Lebens oder der Sicherheit der betroffenen Migrant/-innen“ oder „die unmenschliche oder erniedrigende Behandlung dieser Migrant/-innen, einschließlich zum Zweck der Ausbeutung“ beinhalten [http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/2004 0857/index.html ].[17]

Obwohl die meisten Fälle des Missbrauchs entlang der Migrationsroute mit verschärften Gegebenheiten als Schleusung klassifiziert werden, können nicht alle Erfahrungen als Menschenhandel eingestuft werden. Nach dem Zusatzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels (Menschenhandelsprotokoll), kann der Terminus “Menschenhandel” in drei Elemente aufgeteilt werden: 1. Anwerbung, 2. durch Androhung oder Anwendung von Gewalt, und 3. zum Zweck der Ausbeutung.[18] Diejenigen, die bei ihrer Reise misshandelt wurden, erfüllen die ersten beiden Kriterien dieser Definition, da sie gewaltsam angeworben und beherbergt worden sind, oft durch viele Mechanismen, die in der Definition beschrieben worden sind, einschließlich Nötigung, Entführung, Betrug, Täuschung oder Missbrauch von Macht.

Um die Definition des Menschenhandels zu erfüllen, müssen die Erfahrungen des Einzelnen auch den dritten Punkt „zum Zwecke der Ausbeutung“ umfassen. Obwohl asylsuchende Eritreer während ihrer Reise und in dem Zeitraum ihrer Gefangenschaft stark ausgenutzt werden, ist es unklar, ob sie zum Zwecke der Ausbeutung angeworben werden. Unsere Forschung zeigt, dass eritreische Asylsuchende wegen Lösegeld ausgenutzt werden, um den Zahlungsprozess zu beschleunigen oder um andere Gefangene einzuschüchtern, sodass sie schneller zahlen. Diese Art der Ausnutzung entspricht nicht genau den Beispielen von Ausbeutung, die im Protokoll aufgeführt werden.

Forscher der Tilburg University klassifizierten bestimmte Fälle entlang der Migrationsroute als Menschenhandel, indem sie den Sinai-Missbrauch als „erzwungenes Betteln“ kategorisierten. Das Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über Zwangs- oder Pflichtarbeit (1930) definiert Zwangs- und Pflichtarbeit in Artikel 2(1) als: „Arbeiten oder Dienstleitungen, die von einer Person unter irgendeiner Strafandrohung gefordert wird, für welche die Person sich nicht freiwillig entschieden hat“.[19]

Unsere Forschungsergebnisse beschreiben Situationen, in welchen Migrant/-innen bei ihren Freunden und Familien erzwungenermaßen um große Geldsummen betteln müssen. Die geforderten Summen sind meist größer, als sie von engen Freunden und Familienangehörigen ausgezahlt werden können. So werden die eritreischen Gefangenen misshandelt, um sie unter Druck zu setzen damit sie ihre Verwandten und Bekannten weltweit darum bitte, etwas zum Lösegeld beizusteuern. Seit fast fünf Jahrzehnten flüchten Eritreer aus ihrem Heimatland und gründen Diasporagemeinden in entwickelten Ländern. Eritreer in der Diaspora spenden oft Geld, welches für die Befreiung der Gefangenen in der nördlichen Sinai-Wüste verlangt wird. Gefangene, die keine Auslandsbeziehungen haben, sehen sich gezwungen, dass ihre Familien um Geld betteln oder ihre Habseligkeiten wie Schmuck, Immobilien und Viehbestand verkaufen.

Die Forscher der Tilburg University verweisen auf die derzeitige EU-Verfügung, welche bei der Definition des Menschenhandels das erzwungene Betteln mit einbezieht.[20] Die EU-Richt-linien (2011/36) legen fest:

„Damit jüngsten Entwicklungen des Menschenhandels Rechnung getragen wird, ist in dieser Richtlinie das Konzept dafür, was unter Menschenhandel zu verstehen ist, weiter gefasst als im Rahmenbeschluss 2002/629/JHA des Rates; diese Richtlinie erfasst daher zusätzliche Formen der Ausbeutung. Im Rahmen dieser Richtlinie sind Betteltätigkeiten als eine Form der Zwangsarbeit oder der erzwungenen Dienst-leitungen im Sinne des Übereinkommens Nr. 29 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von 1930 über Zwangs- und Pflichtarbeit zu verstehen.“ [siehe: http://eurlex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:101:0001:0011:DE:PDF ]

Da viele der verübten Misshandlungen im Sinai Formen der erzwungenen Betteltätigkeiten zum Zwecke der Ausbeutung sind, können wir die Definition des Protokolls des Menschenhandels auf diese Situationen anwenden.

Der Großteil dieses Berichts befasst sich mit Situationen der ausbeuterischen Migration, Entführung und Erpressung. Alle Migrant/-innen wurden geschleust. Für manche handelte es sich bei den Misshandlungen um schwere Schleusung, während für andere die Misshandlungen auf Menschenhandel hinausliefen. Wie oben beschrieben, wenden wir den Begriff Menschenhandel an, um Situationen zu beschreiben, die Entführung und Erpressung enthalten, und sprechen über die in diesen Praktiken mitwirkenden Migrationsunterstützer/-innen (migration facilitators) als Menschenhändler.

Grenzüberschreitende Netzwerke von Menschenhändlern

Den Befragten dieser Untersuchung zufolge arbeiten die in Menschenhändlerringe organisierten Individuen und Gruppierungen im östlichen Sudan, an der Grenze zu Eritrea. Eritreische Reisende berichteten entweder Migrationsvermittler/-innen nahe gekommen zu sein oder im östlichen Sudan entführt worden zu sein; in den meisten Fällen beinhalteten solche anfänglichen Interaktionen Kontakte zu den Mitgliedern eines Stammes namens Rashaida. In dieser Untersuchung wurden 31% der Befragten im Sudan entführt und gewaltsam in den Sinai gebracht, obwohl sie keinerlei Intentionen hatten nach Israel zu kommen.

Obwohl Entführungen oft als stereotypes und von den Medien angetriebenes Bild des Menschenhandels gilt, ist Entführung im östlichen Sudan eine verbreitete Realität für grenzüberquerende Eritreer.

Unsere Untersuchung zeigt, dass vermehrte Vorfälle der Entführung mit der Verschärfung der Asylpolitik in Israel zusammenhängen. Im Juni 2013 begann Israel mit der Durchführung von Korrekturen des Gesetzes zur Verhinderung der Einschleusung (Prevention of Infiltration Law), welches eine dreijährige Haft für diejenigen vorsieht, die rechtswidrig von Ägypten nach Israel einreisen. Diese langen Haftstrafen beeinflussten die in Äthiopien und im östlichen Sudan gemachten Entschlüsse zur Auswanderung der Eritreer, um erst zögerlich und dann oft bewusst die Entscheidung zu treffen, keine Schmuggler für die Reise nach Israel anzuheuern. Um weiterhin hohe Summen an Lösegeld zu erhalten, begannen die in den Menschenhändlerringen Involvierten, Migrant/-innen zu entführen und sie gewaltsam in die nördliche ägyptische Sinai-Wüste zu verschleppen.

Entsprechend 18 verschiedenen Interviews, die während der Untersuchung durchgeführt wurden, setzten sich die verschiedenen in die Entführung verwickelten Gruppierungen zusammen aus Mitgliedern des Rashaida-Stammes, eritreischen, mit Schmugglern arbeitenden Kollaborateuren, sudanesischen Einheimischen und Einheiten der sudan-esischen Strafverfolgungsbehörden. Unabhängig davon, wer genau die Entführung vornahm, berichteten alle Befragten, dass sie letztendlich mit Mitgliedern des Rashaida-Stammes zusammentrafen.[21] Diese Individuen der Rashaida waren es dann, die sie an Mitglieder der Beduinen im Sinai weiter verkauften.

Wie oben beschrieben, finden diese Entführungen an der Grenze von Eritrea und dem Sudan statt. Um die Entführungen besser zu verstehen, evaluieren wir die Geographie und die sozialen Auswirkungen des östlichen Sudans. Die Region des östlichen Sudans erstreckt sich über die drei sudanesischen Bundesstaaten, die an Eritrea angrenzen: die Bundesstaaten Gedaref, Kassala und Rotes Meer. Durch den markanten Spalt zwischen dem Flachland und der Wüste des Westens und dem bergigem Gebiet des Ostens, wo die Grenze zu Eritrea und Äthiopien liegt, ist der östliche Sudan eine geographische Grenze an sich. Die Region leidet an Unterentwicklung und sozialer und politischer Ausgrenzung. Es ist eins der ärmsten Gegenden des Landes.[22]

Die Schmuggler und Menschenhändler, die im Grenzbereich von Eritrea und dem Sudan leben, nutzen die einzigartige Lage in vielerlei Hinsichten, indem sie ihr Leben und ihren Lebensunterhalt um die Ressourcen der Grenzregion aufbauen. In diesem konkreten Fall bietet das Grenzgebiet einen konstanten Strom eritreischer Flüchtlinge, die weiterhin vor der brutalen, eritreischen Diktatur die Grenze überqueren. Diese Umstände bestimmen die strukturellen Bedingungen für Entführungen und Menschenhandel. Wie die Grenze von sich aus schon Flüchtlingsströme aus Eritrea in den Sudan strukturiert, so strukturiert sie ebenso Menschenhandel aus dem östlichen Sudan.

Wie in den Interviews herausgefunden wurde, entführten in einigen Fällen eritreische Kollaborateure, sudanesische Einheimische und Mitglieder der sudanesischen Behörde Eritreer im Grenzgebiet als sie versuchten, Flüchtlingscamps aufzufinden. Wenn Migrant/-innen nicht von den Strafverfolgungsbehörden abgefangen werden, die sie in ein Asylsucherzentrum in Kassala bringen, bevor sie weiter in die Flüchtlingscamps kommen, versuchen sie, die Flüchtlingscamps oder urbane Gebiete auf eigene Hand ausfindig zu machen. Den Grenzgebieten fehlt ein erster Sicherheitspunkt für in den Sudan einreisende Migrant/-innen, dabei ist es genau dieser Zeitpunkt, zu dem sie am meisten in Gefahr sind. In Hamdayet, eine Stadt an der eritreisch-äthiopisch-sudanesischen Grenze, wurde von der United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) ein Empfangs- und Selektionscenter errichtet, um eine sichere Passage zu den Flüchtlingscamps zu schaffen. Ein weiterer Ort für ein zweites Empfangscenter ist im momentan in Diskussion.[23] Diejenigen, die unfähig sind, eine solche Passage zu den Camps sicher zu durchqueren, sind gegenüber den Netzwerken der Menschenhändler in dieser Gegend weiterhin verletzlich.

Rashaida-Kidnapper

Unsere Auskunftspersonen beschrieben, dass Mitglieder der Rashaida an Entführungen und Erpressungen vom Sudan nach Ägypten teilnahmen, die zu den besonders schweren Formen der Schleusung und des Menschenhandels zählten. Die Entführten berichteten, dass sie von Mitgliedern der Rashaida, Personen des lokalen Hedareb Stammes oder Einheiten der sudanesischen Behörde entführt wurden, welche sie an Individuen der Rashaida weiter verkauften. Es ist wichtig anzumerken, dass nicht alle Rashaida im Schmuggel und Handel der Flüchtlinge im östlichen Sudan involviert sind.

Da den Interviewten zufolge die Menschenhändler der Rashaida den roten Faden in den Entführungen von eritreischen Asylsuchern bilden, ist es wichtig, den Hintergrund dieser Gruppe zu verstehen. Obwohl sich der Großteil dieser Gruppierung im Sudan befindet, wohnen manche in den nördlichen Provinzen von Naqfa in Eritrea. Sie bilden eine eigenständige ethnische Gruppe mit politischen Beziehungen und Interessen im Sudan und in Eritrea. Die Kultur und die Normen der Rashaida ähneln jenen der Beduinen in Saudi-Arabien mehr als jenen der anderen Nomadengruppen im östlichen Sudan.[24]

Die Rashaida tendieren dazu, die politischen Grenzen der beiden Staaten zu ignorieren und frei umherzuziehen. Sie stammen von den arabisch sprechenden Beduinen ab, welche in den späten 1860ern von Küstenstädten in Arabien migrierten und über das Rote Meer nach Afrika segelten. Wie wir unten sehen werden, gibt es mehrere Faktoren, die ihre Reise ohne Einschränkungen ermöglichten.

Als erstes bedeutete die relativ frühe Migration der Beduinen nach Afrika, dass ihnen kein Stammesland gehörte und deshalb viele auf Kamelweiden arbeiteten, eine Arbeit, die häufige Reisen über die Grenzen erforderte. Da es im Sudan jedoch nur eine geringe Nachfrage für Kamelfleisch gibt und der einzige große Kamelmarkt im Süden Ägyptens ist, reisten junge Männer mit ihrem Überschuss an Kamelen nach Ägypten, um sie dort zu verkaufen.[25] Dies geschieht auch heute noch. Es stellte sich heraus, dass das Verkaufen der überschüssigen Kamele die engste Verbindung der Rashaida zu Ägypten ist.

Zweitens haben die Rashaida mehrere Staatsbürgerschaften, was bei ihren Reisen hilfreich ist. Es ist nicht möglich zu unterscheiden, wer von ihnen eritreisch oder sudanesisch ist. Manche sind Bürger beider Staaten oder haben selbst die saudi-arabische oder die jemenitische Staatsbürgerschaft.[26] Die strukturelle Position in der Region, die durch ihre multiplen Nationalitäten und durch die grenzüberschreitenden Reisen geprägt ist, bedingt ihre Rolle als Vermittler der unregelmäßigen und unfreiwilligen Bewegungen der eritreischen Migrant/-innen, welche oft schwere Formen des Schleusens und Menschenhandel beinhaltet.

Drittens trieben die komplizierte, politische Geschichte und die wiederkehrenden Veränderungen der Machthaber der Region die Rashaida dazu an, die Grenze zwischen Eritrea und dem Sudan zu überqueren. Wann immer die Mitglieder dieser Gemeinschaft von dem politischen und ökonomischen Druck flüchten müssen, ziehen sie von Eritrea in den Sudan oder umgekehrt.

Ein Interviewter sagte aus: „Die Rashaida in Eritrea leben nah an der westlichen Grenze und haben eine doppelte Staatsangehörigkeit; von Eritrea und dem Sudan. Siesind diejenigen, die Dinge und Besitztümer aus dem Sudan nach Eritrea bringen, ohne Steuern zu bezahlen. Die Rashaida glauben nicht an eine zentralisierte Regierung. Sie haben keine Gesetze, denn im Allgemeinen leben sie nicht in Städten in denen sie sich an die Regeln anpassen können. Sie haben nicht gelernt, Regeln zu befolgen und sie tun es auch nicht.“[27]

Obschon viele verschiedene Akteure eine Rolle in den Entführungen spielen, endeten alle der Befragten die entführt worden waren, in den Händen von Mitgliedern der Rashaida.

Konspirierende Elemente innerhalb der sudanesischen Strafverfolgungsbehörde

Zusätzlich zu den Rashaida sind auch die sudanesischen Behörden in die Entführungen verwickelt. Ein Interviewter beschrieb ihre Beteiligung folgendermaßen: „Unser Plan war es nicht, nach Israel zu kommen, sondern im Sudan zu arbeiten. Als wir in Kassala eintrafen, sagte uns die Polizei, dass wir nach Shagarab gebracht werden würden. Sie verbanden uns die Augen, fesselten uns und befahlen uns 3.000 Dollar zu bezahlen. Sie sagten, wenn wir nicht bezahlen würden, würden sie uns umbringen.“[28] So werden die Gefangenen an die Rashaida verkauft, die sie wiederrum zu den Beduinen im Sinai weiter verschleppen.

Sudanesische Strafverfolgungsbeamte, die an den Entführungen und dem Verkauf der Migrant/-innen beteiligt sind, halten sich in Sicherheitsposten in den Grenzgebieten auf. Ihre Stellung an der fernen Grenze, ohne ständige Überwachung ihrer Vorgesetzten und ihre schlechten Einkünfte machen sie anfällig für die Beteiligung an illegalen Aktivitäten, so wie das Profitieren an rechtswidrigen Grenzüberquerungen.[29]

Eritreische Kollaborateure

Eritreische Kollaborateure konspirieren mit einigen sudanesischen Beamten und Mitgliedern der Rashaida in komplexen Netzwerken des Schleusens und des Menschenhandels. Ein Interviewter erzählte: „Ein Eritreer war bei den sudanesischen Soldaten. Er sagte uns, dass wir uns keine Sorgen machen sollen und, dass wir nach Israel gehen. Als wir erwiderten, dass wir nicht nach Israel gehen möchten und dies nicht unser Plan sei, bedrohte der Eritreer uns mit seiner Waffe und zwei weitere kamen und schlugen uns mit Knüppeln.“[30]

Menschenhändler aus dem Sinai sind auf die Eritreer als Übersetzer und Mittelsmänner angewiesen. Das Ausmaß von der Beteiligung der Kollaborateure an Misshandlungen und Folter variiert von Individuum zu Individuum. Manche der eritreischen Kollaborateure partizipieren von sich aus, andere sind gezwungen als Übersetzer zu arbeiten oder sind sogar dazu gezwungen ihre Geiseln zu misshandeln. Jemand beschrieb dieses System wie folgt:

Ein Eritreer wurde zum Übersetzen gezwungen. Er war einer derjenigen, die im Sudan gekidnappt worden waren. Sie bedrohten ihn mit ihren Waffen, damit er andere Personen schlug. Auf der anderen Seite gibt es welche, die des Geldes wegen mit ihnen kooperieren.[31]

Manche Kollaborateure wurden anfangs gezwungen doch wurden dann gewalttätiger als sie hätten sein sollen:

Dieser eritreische Kollaborateur kam in den Sinai um nach Israel zu gehen, doch hatte er nicht genug Geld. Sie behielten ihn als Übersetzer dort, da er Arabisch sprechen konnte. Er war sehr grausam. Manchmal befahlen Ägypter ihm, etwas zu tun. Manchmal tat er es von sich aus, foltern, hängen, schlagen… Er war sogar grausamer als die Beduinen.[32]

Obwohl sich die Rolle der eritreischen Kollaborateure in den Berichten der Interviewten unterschied, war zumindest im Großteil der Fälle mindesten ein Eritreer involviert.

Von den Rashaida zu den beduinischen Händlern

Das Netzwerk des Menschenhandels und der Transfer des Lösegeldes von den Rashaida, Beduinen und den eritreischen Gemeinschaften überschreitet die ägyptisch-sudanesische Grenze. Die Rashaida ist zwar im Sudan, in Eritrea und auf der arabischen Halbinsel vertreten, doch fehlt sie in Ägypten.[33] In der Nähe der sudanesisch-ägyptischen Grenze werden eritreische Migrant/-innen von Mitgliedern der Rashaida an Angehörige der Beduinen verkauft. Eritreische Kollaborateure stellen einen wesentlichen Teil dieses Handelsweges dar.

Die eritreischen Migrant/-innen finden es schwierig zwischen den Menschenhändlern der Rashaida und die der Beduinen zu unterscheiden. Einer erklärte:

In manchen Gegenden werden sie Rashaida und in anderen Gegenden werden sie Beduinen genannt. Sie sind Menschen, die keinen fest zugehörigen Wohnsitz haben. Die Meisten der Beduinen sind in Ägypten, doch manche sind in Israel oder an anderen Stellen. Ebenso die Rashaida.[34]

Diese Verwirrung bezüglich der Gruppierungen bestand auch bei anderen Interviewten. Jeder der Interviewten berichtete, dass verschiedene Menschenhändlergruppen an ihrer Reise vom Sudan nach Ägypten beteiligt waren, doch es bestand kein klares Bild darüber, wann die Beduinen die Rashaida ablösten.[35]

Zusätzlich haben die Menschenhändler ein durchorganisiertes Netzwerk von Personen die das Lösegeld der eritreischen Familien weltweit einsammeln. Diese Agenten haben Kontakt-familien in Eritrea, Äthiopien, Sudan, Ägypten, Israel und auch in ganz Europa und den Vereinigten Staaten. Der Transfer des Geldes wird persönlich durchgeführt, aber auch über internationale Geldtransferfilialen wie Western Union. Im Sinai sind die Rashaida wie auch die Beduinen in das Eintreiben von Lösegeld involviert. Die Schmuggler und Händler, sei es für den Transfer von Lösegeld oder von Menschen, kommen aus den unterschiedlichsten Verhältnissen. Ihre Arbeit überschreitet Grenzen und missachtet die Menschenrechte der eritreischen Asylsuchenden auf ihrer Suche nach Sicherheit und einem besseren Leben.

Fazit

Um Schlüsse ziehen zu können, wie man dem Menschenhandel in der Region ein Ende setzen kann, ist es wichtig, die Mitwirkenden zu verstehen. Als erstes müssen die Sicherheitsvorkehrungen im östlichen Sudan verbessert werden, damit es für die Menschenhändler schwieriger ist, die Migrant/-innen entführen zu können. Die sudanesische Regierung muss gegen die Beamten vorgehen, die sich an den Entführungen mitschuldig gemacht haben. Momentan scheint die Regierung in Khartoum noch nicht an diesem Fall zu arbeiten. Internationale Organisationen die vor Ort sind, so wie UNHCR und die International Organisation for Migration (IOM), sollten die Regierung unter Druck setzen, sodass diese umfangreiche Strategien zur Sicherheit im östlichen Sudan umsetzt. Die Afrikanische Union sollte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eines Planes spielen, durch welche die eritreische, äthiopische, sudanesische und ägyptische Regierung die lokalen Entführungen und den Menschenhandel bekämpfen kann. Außerdem sollten Maßnahmen zur Straf-verfolgung und Inhaftierung der Menschenhändler und ihrer Kollaborateure getroffen werden.

Zweitens sollte die ägyptische Regierung die Gefangenen in den Gefangenenlagern im Sinai befreien und die Verantwortlichen inhaftieren. Die ägyptische Regierung sollte sich mit dem Problem befassen, dass ägyptische Beamte mit Schleusern und Menschenhändlern kollaborieren. Durch das Verfolgen der Revolution in Ägypten sind momentan weltweit alle Augen auf Ägypten gerichtet. Die internationale Gemeinschaft, insbesondere der arabische Bund, muss sicherstellen, dass die Beendigung der Misshandlungen der Flüchtlinge im Sudan und im Sinai an erster Stelle auf der ägyptischen und sudanesischen Agenda steht.

Letztendlich muss die globale Gemeinschaft der Eritreer mobilisiert werden. Wenn die eritreischen Familien aufhören, Lösegeld zu bezahlen, ist das Geschäft für die Entführer nicht mehr lukrativ. Selbstverständlich ist diese Lösung als Individuum nicht durchsetzbar. Wer von uns würde sich verweigern, Lösegeld für einen geliebten Menschen zu zahlen? Indes kann die eritreische Gesellschaft Druck auf die Kollaborateure der Menschenhändler ausüben und es schwieriger machen, als Vermittler zu arbeiten – ein wichtiger Aspekt im Funktionieren der Menschenhändlerringe.

Laurie Lijnders schloss den Master of Arts im Fach Cultural Anthropology an der Utrecht University ab. Sie verbrachte die letzten drei Jahre im Sudan, Äthiopien, Ägypten und in Israel um den Menschenhandel von afrikanischen Asylsuchenden im Nahen Osten zu erforschen.

E-Mail: laurielijnders@gmail.com

Sara Robinson schloss den Bachelor of Arts im Fach Political Science & Near Eastern Languages and Civilizations an der Yale University ab. Sie arbeitete die letzten vier Jahre in Israel mit Überlebenden des Menschenhandels.

E-Mail: sara.j.robinson@gmail.com

Abweichende Lizenz: Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 License.

Zitiertweise: Lijnders, Laurie/Robinson, Sara (2013): „Vom Horn von Afrika zum Nahen Osten: grenzüberschreitender Menschenhandel mit eritreischen Asylsuchenden“, menschenhandel heute, 16.02.2014, <>.


[1] Dieser Bericht basiert auf Forschungen die von Mai 2012 bis November 2012 von einem in Israel stationierten Team durchgeführt wurden, mit Aufsicht und Leitung vom Feinstein International Center. Die Ergebnisse dieses Berichts reflektieren die vorrausgehenden Befunde des Untersuchungsprojekts. Ein Abschlussbericht wird Ende 2013 veröffentlicht. Weitere Informationen zum Feinstein International Center: http://sites.tufts. Edu/feinstein/

[2] ‘UNHCR: Eritreans continue fleeing to Ethiopia and Sudan’, 23. Juni 2013, Sudan Tribute, http://sudantribute. com/spip.php?article47043

[3] Bericht der Special Rapporteur über die Situation der Menschenrechte in Eritrea, S. Keetharuth, Menschenrechtsrat, 23rd session, Agenda item 4, Menschenrechtssituationen die die Aufmerksamkeit des

Rates benötigen, 28. Mai 2013, S. 45 – 48.

[4] ‚Statistics for Foreigers‘, Israelische Bevölkerung, Einwanderungsbehörde, Innenministerium, Mai 2013 [in Hebräisch], http://www.piba.gov.il/PublicationAndTender/ForeignWorkersStat/Documents/560843nnew4.pdf

[5] Amnesty International, Egypt/Sudan: Refugees face kidnapping for ransom, brutal treatment and human trafficking, März 2013, http://www.amnesty.org/en/library/info/AFR04/001/2013/en; und ‘Broken Promises: Egypt’s military rulers erode human rights’, Amnesty International, November 2011, S. 41-46. http://www. amnesty.org/en/library/asset/MDE12/053/2011/en/47be269e-b67a-42f4-835b-787f91044e04/mde120532011 en.pdf

[6] ‘Egypt: End Sinai nightmare for migrants’, Human Rights Watch, 5. September 2012, http://www.hrw.org/ print/news/2012/09/05/egypt-end-sinai-nightmaremigrants.

[7] M. van Reisen, M. Estefanos, und C. Rijken, ‘Human Trafficking in the Sinai: Refugees between life and death’, Tilburg University, Oktober 2012, http://www.eepa.be/wcm/dmdocuments/ publications/Report_Human_ Trafficking_in_the_Sinai_Final_Web.pdf

[8] ‘Hundreds of Refugees Held Hostage in Sinai Torture Camps Need Rescuing’, Physicians for Human Rights-Israel und die Hotline for Migrant Workers, 30. November 2011, http://www.phr.org.il/default.asp?Page ID=183&ItemID=1176; ‘Hostages, Torture, and Rape in the Desert: Findings from 284 asylum seekers about atrocities in the Sinai’, Physicians for Human Rights-Israel, 23. Februar 2011, http://www.phr.org.i l/default. asp?PageID=183&ItemID=915; und ‘Hostages, Torture, and Rape in the Sinai Desert: A PHR-Israel update about recently arriving asylum seekers’, Physicians for Human Rights-Israel, 13. Dezember 2010, http://www.phr. org.il/uploaded/PHR-Israel_Information_Sheet_on_Refugees_Captive_in_Sinai_Dec13_2010_ Final.pdf

[9] ‘Tortured in Sinai, Jailed in Israel: Detention of slavery and torture survivors under the Anti-Infiltration Law (June-September 2012)’ Hotline for Migrant Workers, http://www.hotline.org.il/english/pdf/TorturedInSinai JailedInsraelENG, pdf; ‘The Dead of the Wilderness: Testimonies from Sinai Desert’, Hotline for Migrant Workers, Februar 2011, http://www.hotline.org.il/english/pdf/Testimonies_from_sinay_122010.pdf

[10] Diese Plätze der Gefangenschaften reichen von einem eingezäunten Gelände, Hütte, Haus oder Zelt bis zum Angebundensein an einen Baum oder ein Fahrzeug im Wald oder Mitten in der Wüste.

[11] Die Interviews wurden von Mitte Mai bis Oktober 2013 durchgeführt.

[12] Bezüglich der in Israel durchgeführten Interviews sind 20% der asylsuchenden Eritreer in Israel Frauen und von 60 der befragten Personen in Israel sind 14 Frauen (23%). Die Befragten sind zwischen 19 und 54 Jahren alt. Über die Hälfte (36) war zwischen 18 und 29 und der Rest zwischen 30 und 50 Jahren alt.

[13] Für weitere Informationen über die UN Convention against Transnational Organized Crime, siehe: http://www.unodc.org/unodc/treaties/CTOC/ Sudan, Ägypten und Israel unterzeichneten und ratifizierten das Abkommen; Ägypten und Israel unterzeichneten und ratifizierten das Handelsprotokoll, während der Sudan hiervon nicht teilhabt; Ägypten akzeptierte das Schmuggelprotokoll, unterzeichnete und ratifizierte dieses jedoch nicht, während Israel und der Sudan kein Teil davon ist. Diese Informationen sind Teil der UN-Treaty Collection Datenbank: http://treaties.un.org/

[14] Das vollständige Protocol against the Smuggling of Migrants by Land, Sea and Air ist zu finden unter: http:// http://www.uncjin.org/Documents/Conventions/dcatoc/final_documents_2/convention_smug_eng.pdf

[15] Interview, männlich, 28 Jahre, Tel Aviv, Israel, 8. September 2012

[16] Interview, weiblich, 21 Jahre, Tel Aviv, Israel, 9. September 2012

[17] Das vollständige Protocol against the Smuggling of Migrants by Land, Sea and Air ist zu finden unter: http:// http://www.uncjin.org/Documents/Conventions/dcatoc/final_documents_2/convention_smug_eng.pdf

[18] Der Terminus „Handel“ ist nach dem Protocol to Prevent, Suppress and Punish Trafficking in Persons, Especially Women and Children definiert als: ‘Anwerbung, Transport, Überführung, Beherbergung oder Empfang von Personen durch Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen um die Billigung zu erlangen, dass eine Person die Gewalt über eine andere Person, zum Zwecke der Ausbeutung, hat. Ausbeutung beinhaltet mindestens die Ausnutzung der Prostitution von anderen oder andere Formen der sexuellen Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Dienste, Sklaverei oder sklavenähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Entnahme von Organen.‘

[19] Der vollständige Text des Abkommens Nr. 29 der International Labour Organisation (ILO), welcher Zwangs- und Pflichtarbeit betrifft, steht auf: http://www.ilo.org/dyn/normlex/en/f?p=1000:12100:0::NO::P12100_ILO_C ODE: C029

[20] W. van Reisen, M. Estefanos und C. Rijken, Human Trafficking in the Sinai: Refugees between life and death, Tilburg University, Oktober 2012, S. 79-80, http://www.eepa.be/wcm/dmdocuments/publications/Report_ Human_Trafficking_in_the_Sinai_Final_Web.pdf Während Forscher der Tilburg University darauf hinweisen, dass gezwungenes Betteln eine Sklaverei ähnliche Praxis ist, argumentieren sie auch, dass Misshandlung im Sinai eine Form der „Schuldknechtschaft“ ist, welche dem internationalen Gesetz nach eine Sklaverei ähnliche Praxis ist und nach dem Protokoll auf die Definition der Ausbeutung zutrifft. Allerdings gibt der Bericht keine vollständige Definition der Schuldknechtschaft und erklärt auch nicht im Detail, wie die Erfahrungen im Sinai auf die Definition zutreffen. Gemäß nach dem Supplementary Convention on the Abolition of Slavery, the Slave Trade, and the Institutions and Practices Similar to Slavery (Zusatzabkommen über die Abschaffung der Sklaverei, des Sklavenhandels und Einrichtungen und Sklaven ähnliche Praktiken) ergibt sich Schuldknecht-schaft aus der Schuld eines Schuldners von seinen persönlichen Dienstleistungen. Dies ist nicht auf die Erfahrungen im Sinai zutreffend, denn eritreische Asylsuchende schulden ihren Kidnappern keine Dienst-leistungen. Der vollständige Text des Zusatzabkommens steht auf: http://www.ohchr.org/EN/Professional Interest/Pages/SupplementaryConventionAbolitionOfSlavery.aspx

[21] Anmesty International bestätigte die Beteiligung dieser verschiedenen Akteure in ihrem März 2013 Report, Amnesty International, Egypt/Sudan: Refugees face kidnapping for ransom, brutal treatment and human traf-ficking, März 2013, http://www.amnesty.org/en/library/info/AFR04/001/2013/en

[22] J. Young, The Eastern Front and the Struggles of Marginalisation, Small Arms Survey, Graduate Institute of International Studies. Mai 2007, S. 8.

[23] Interview mit einem ehemaligen UNHCR Mitglied im Sudan, Juli 2012.

[24] R. Perdue & A. Salih, Cultures of the Middle East, Project paper: The Rashaida Bedouin, 16. März 2008, S.1; http://campusweb.howardcc.edu/salih/culture/Arabic_2-7_Robert_Perdue-Rashayyida_Bedu.pdf; Human Rights Watch, World Report 2012: Eritrea. 2012; <http://www.hrw.org/world-report-2012/world-report-2012-

eritrea>

[25] I. Kohler-Rollefson, B. Musa & M. Achmed, The Camel Pastoral System of the Southern Rashaida in Eastern Sudan, Commission on Nomadic Peoples, November 1991; http://www.tearfund.org/webdocs/Website/ Campaigning/Policy%20and%20research/East%20Sudan%20Analysis%202005.pdf

[26] S. Pantuliano, Comprehensive Peace? Causes and consequences of underdevelopment and instability in Eastern Sudan, NGO paper, September 2005

[27] Interview, männlich, 34 Jahre, Tel Aviv, Israel, 20. August 2012.

[28] Interview, männlich, 25 Jahre, Tel Aviv, Israel, 12./13. Juli 2012.

[29] Interview mit einem ehemaligen Mitglied der UNHCR, Sudan, Juli 2012.

[30] Interview, männlich, 24 Jahre, Tel Aviv, Israel, 23. September 2012.

[31] Interview, männlich, 39 Jahre, Tel Aviv, Israel, 23. September 2012.

[32] Interview, männlich, 20 Jahre, Tel Aviv, Israel, 12./13. Juli 2012.

[33] Für weitere Informationen über die Rashaida und ihre Rolle bei der Schleusung von Menschen siehe: UNHCR, Refugees and the Rashaida: Human smuggling and trafficking from Eritrea to Sudan and Egypt, März 2013, ISSN 1020-7473, aufgerufen am 15. April 2013: http://www.refworld.org/docid/5142d9692.html

[34] Interview, männlich, 34 Jahre, Tel Aviv, Israel, 20. August 2012

[35] Die meisten Interviewten wissen nicht, wann sie unter der Macht der Rashaida und wann unter der der Beduinen standen. Doch manche sind der Meinung, dass der Wechsel am Ufer des Nils stattfand. Weitere Untersuchungen sind notwendig um diese Vermutung bestätigen zu können.

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