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Frauenhandel: Wenn Mütter betroffen sind – Mütter in der Migration

05/12/2013

Dieser Artikel wurde ursprünglich im Rundbrief 53 vom November 2013 der FIZ – Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (Zürich) veröffentlicht.

Seiten aus 5553_FIZ_Rundbrief_webFast die Hälfte aller Migrant_innen in der Schweiz sind Frauen. Ob und wieviele von ihnen Kinder haben und mit ihnen eingereist sind, oder ihre Kinder im Herkunftsland zurücklassen mussten, ist statistisch nicht eruierbar. In den letzten drei Jahren waren rund zwei Drittel der von FIZ-Makasi begleiteten Frauen (344 von total 588) Mütter oder schwangere Frauen.

Geschlechtsspezifische Diskriminierung im Herkunftsland – zum Beispiel wenig Arbeits- und Bildungschancen, sexuelle Gewalt oder Ausbeutung, starre Geschlechtsrollen  – können mit ein Grund dafür sein, dass Frauen migrieren. Diesen Diskriminierungen entkommen sie durch die Migration aber nicht: So erlaubt das Schweizer Migrationsrecht Frauen aus Drittstaaten die Einreise nur als Ehefrauen, Touristinnen, als Cabaret-Tänzerinnen oder aber als hochqualifizierte Fachkräfte. In der Realität kommt letzteres praktisch nicht vor – Frauen aus Drittstaaten sind als Ehefrauen, als Arbeiterinnen in der Sexindustrie oder illegalisiert in der Schweiz. Frauen aus dem EU-Raum dürfen hier zwar arbeiten, finden in der Regel aber nur in „typisch weiblichen“ Tätigkeiten eine Beschäftigung: im Pflegesektor, in der Hausarbeit oder in der Sexarbeit.

Eine globale geschlechtsspezifische Arbeitsteilung führt dazu, dass in den Ländern des Nordens im informellen Dienstleistungsbereich – und nur da – Arbeit für Frauen aus dem Süden vorhanden ist: in informellen, unregulierten und ungeschützten Sektoren, wie in der Hausarbeit oder in der Sexarbeit.

Die „globale Versorgungskette“

Frauen migrieren oft, weil sie Kinder und Familie und kein Auskommen haben. Wenn keine Partner da sind oder diese keine Arbeit haben oder sich nicht für die Familie verantwortlich fühlen. Die Migrantinnen müssen dann ihre Kinder bei Angehörigen lassen, um hier die Kinder von erwerbstätigen Frauen zu betreuen. Oder sie platzieren ihre Eltern in einem Heim im Herkunftsland, um hier alte Menschen zu pflegen, die zuhause und in Würde altern wollen. Diese so genannte globale Versorgungskette ist ein internationales System, das ethnisch und nach Klassen geschichtet ist: Frauen aus den Ländern des Südens und des Ostens übernehmen die Betreungs“pflichten“ von erwerbstätigen Frauen des Nordens und des Westens. Konstant bleibt dabei: Haus- und Betreuungsarbeit sind Frauensache.

Handelnde Subjekte, nicht Opfer

Frauen migrieren auch, um den Horizont zu erweitern, um zu studieren oder als hochqualifizierte Arbeitnehmerin. Es gibt viele positive weibliche Migrationserfahrungen. Diese können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Realität für die Mehrheit der Frauen anders aussieht. Zwar sind Migrantinnen nicht einfach Opfer, sondern handelnde Subjekte, die unter den gegebenen Umständen mutige Entscheidungen treffen. Sie sind jedoch verletzlich – nicht zuletzt, wenn sie Kinder haben – und wenn diese Verletzlichkeit ausgenützt wird, können sie zu Opfern werden.

Kinder machen die Mütter verletzlich. Paradoxerweise ist diese Verletzlichkeit gerade bei Müttern am wenigsten sichtbar. Sie bleiben stark und brechen nicht zusammen, weil sie die Kinder schützen wollen. Ihre eigene Schwäche und der Grad ihrer emotionalen Belastung wird auch einer wohlwollenden Umwelt nicht bewusst.

Mütter als Opfer von Frauenhandel

Die Konstellationen von Müttern, die Opfer von Frauenhandel werden, sind vielfältig und komplex. Die einen haben Kinder im Herkunftsland und die Angst um diese kann die Frauen in der Ausbeutungssituation halten. Denn die Bedrohung der Kinder wird von Tätern als Druckmittel eingesetzt. Andere Frauen sind in der Ausbeutungssituation oder nach der Flucht aus ihr schwanger geworden. Im besten Fall von einem neuen Partner, in den schwierigsten Fällen vom Täter.

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