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Neuer Amnesty-Bericht: Vorbereitungen zur Fußball-WM 2022 auf Kosten der Menschenrechte

19/11/2013

Pressemitteliung von Amnesty International

BERLIN, 15.11.2013 – Viele Bauunternehmen, die in Katar mit den Vorbereitungen der Fußballweltmeisterschaft  2022 beauftragt sind, verletzen systematisch die Rechte von Arbeitsmigranten. Der neue Amnesty-Bericht „The Dark Side of Migration: Spotlight on Qatar’s Construction Sector Ahead of the World Cup“ dokumentiert anhand zahlreicher Beispiele ein alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit. „Viele Arbeiter erhalten oft monatelang keinen Lohn und werden trotzdem zur Arbeit gezwungen, indem man ihnen mit einem kompletten Lohnausfall oder der Abschiebung droht“, sagt Regina Spöttl, Katar-Expertin von Amnesty International in Deutschland.

Der Bericht beschreibt außerdem, wie die schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen Leben und Gesundheit der Arbeiter gefährden. „Auf vielen Baustellen werden ihnen keine Schutzhelme oder nicht genügend Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Sie werden in überfüllten Unterkünften untergebracht, wo es zum Teil weder Strom noch fließendes Wasser und sanitäre Anlagen gibt.“ Die Zuliefererfirma eines Bauprojekts für das WM-Hauptquartier der FIFA zwang ihre Arbeiter, an sieben Tagen pro Woche bis zu zwölf Stunden täglich zu arbeiten – auch in den extrem heißen Sommermonaten.

„Ein großes Problem ist das sogenannte „Sponsorengesetz“ von 2009, das ausländische Arbeiter dazu verpflichtet, die Genehmigung ihres Arbeitgebers einzuholen, wenn sie diesen wechseln oder Katar verlassen möchten“, sagt Regina Spöttl. „Die Unternehmer nutzen dieses Gesetz, um ihre Arbeiter unter Druck zu setzen.“ In einem Fall beobachteten Amnesty-Researcher, wie elf Männer erpresst wurden, im Beisein von Regierungsbeamten fälschlich ihren Lohnerhalt zu quittieren, damit sie ihren Pass zurückbekamen.

„Der Bericht macht deutlich, dass die vorhandenen Gesetze zum Schutz von Arbeitsmigranten in Katar dringend erweitert  werden müssen. Auch hat es die Regierung versäumt, Verstöße gegen die existierenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen konsequent aufzudecken und zu ahnden“, sagt Regina Spöttl. „Die Regierung, aber auch die FIFA und die WM-Organisatoren müssen schon jetzt den Ausbau von Sportstätten und Infrastruktur zum Anlass nehmen, weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern und zu zeigen, dass sie es mit den Menschenrechten ernst meinen.“

Amnesty-Studie: „The Dark Side of Migration: Spotlight on Qatar’s Construction Sector Ahead of the World Cup“

Internationale Petition an die Verantwortlichen in Katar: http://www.amnesty.org/en/appeals-for-action/qatar

Presseartikel 

„Nepalesen wie Vieh behandelt“. Zwölf-Stunden-Schichten, kein Lohn, Pässe weg. Amnesty International hat einen Bericht zu den Arbeitsumständen auf Katars WM-Baustellen veröffentlicht. (taz.de)

Hinschauen statt woanders hingehen. Sklavenarbeit in Katar, Zwangsumsiedlungen in Peking, Justizwillkür in der Ukraine: Vor sportlichen Großevents gibt es oft Kritik an den Umständen vor Ort. Auch diesmal fordern einzelne, die WM zu verlegen, doch die meisten Politiker und Funktionäre halten mehr davon, weiter zu mahnen. (Sueddeutsche.de)

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