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Sexarbeiter_innen fordern Respekt für ihre Grundrechte in einem parallelen Gipfel zur AIDS-Konferenz 2012 (crossposted)

29/07/2012

Der ursprüngliche Artikel „Sex workers demand respect for their fundamental rights in a parallel summit to the AIDS 2012“ wurde am 25. Juli 2012 auf der Homepage von UNAIDS veröffentlicht und durch uns übersetzt. 

Während diese Woche tausende von Delegierten für den XIX. Internationalen AIDS-Kongress (AIDS 2012) in Washington, DC zusammentreffen, findet ein paralleles Satelliten-Treffen, das „Sexworker Freedom Festival“, in Kolkata in Indien, vom 22. bis zum 26 Juli 2012 statt.

Die Veranstaltung bringt mehr als 600 Prostituierte, internationale und nationale Partner aus über 40 Ländern zusammen. Das Freedom Festival wurde von Sexarbeiter_innen als Reaktion gegen die umfangreichen Visa-Restriktionen für Prostituierte und Menschen, die Drogen benutzen oder benutzt haben, die vielen von Ihnen dem Besuch der Internationalen AIDS-Konferenz in Washington DC verhindert haben. Das fünftägige Festival gibt den Teilnehmer_innen die Möglichkeit, einen Teil der Washingtoner Veranstaltung durch eine Videoverbindung zu den großen Konferenz-Sessions und zum Global Village zu verfolgen.

„Das Sexworker Freedom Festival ist eine alternative Veranstaltung für Sexarbeiter_innen und unsere Verbündeten um gegen unseren Ausschluss von der Konferenz zu protestieren und um zu gewährleisten, dass die Stimmen der Ausgeschlossenen in Washington gehört werden“,

sagte Ruth Morgan, globale Koordinatorin des Global Network of Sex Work Projects (NSWP) und Mitorganisatorin der Veranstaltung in Kolkata.

Anlässlich der Eröffnung des Kolkata-Zentrums betonte der durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen entsandte Sonderbotschafter für AIDS in Asien und im Pazifik, Prasada Rao, dass die Freiheiten und Rechte von Sexarbeiter_innen auf einer täglichen Basis verwehrt werden.

„Aspekte der Sexarbeit werden in 116 Ländern der Welt kriminalisiert. In vielen Ländern vermischen Gesetze einvernehmliche Sexarbeit unter Erwachsenen mit Menschenhandel. Regelmäßige Razzien, oft im Namen der Bekämpfung des Menschenhandels, führen zur Verhaftung und Belästigung von erwachsenen und einwilligenden Sexarbeiter_innen „, sagte Rao. „Diese diskriminierenden Praktiken fördern die soziale Ausgrenzung und eine sozial benachteiligte Position von Sexarbeiter_innen und erhöhen ihre Anfälligkeit für HIV“, fügte er hinzu.

Trotz der Fortschritte bei der Reduzierung der Ausbreitung von HIV in Sexarbeiter_innen-Communities, sind Sexarbeiter_innen immer noch einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt. Während z.B. in der Asien-Pazifik-Region eine Reihe von Ländern ihre HIV-Infektionsraten mit intensiven HIV-Präventionsprogrammen unter Menschen, die Sex kaufen und verkaufen, reduziert haben, bleiben Hotspots mit einer hohen Verbreitung. Befragungen von Sexarbeiter_innen in Indien zeigen eine Verbreitung von 18% in Maharashtra und 41% in Pune – insgesamt liegt die HIV Verbreitung unter Erwachsenen im Land bei geschätzten 0,3%.

Der Austausch von Erfahrungen treibt den Fortschritt

Das Programm des Sexworker Freedom Festivals ist rund um Grundfreiheiten strukturiert; Menschenrechte, auf welche alle Menschen einen Anspruch haben. Dazu gehören Bewegungsfreiheit, die Freiheit, auf qualitativ hochwertige Gesundheitsdienstleistungen zugreifen zu können, die Freiheit zu arbeiten und den Beruf zu wählen; die Freiheit, sich gewerkschaftlich zu organisieren, die Freiheit vom Gesetz geschützt zu werden; Freiheit von Gewalt und die Freiheit von Stigmatisierung und Diskriminierung. Das Festival zielt darauf ab, den Austausch von Erfahrungen zu erleichtern  sowie den Dialog rund um zentrale Themen und Schwerpunkte für die Sexarbeiter_innen-Community und HIV-Programmierung zu fördern.

„Ohne das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung kann die Sexarbeiter_innen-Community  unsere Rechte nicht fördern“,

erklärte Bharati Dey, Generalsekretär des Durbar Mahila Samanwaya Committee (DMSC) und Mitorganisator des Kolkata-Zentrums.

Die durch  Sexarbeiter_innen erlebte Stigmatisierung und Diskriminierung wurde als ein wesentliches Hindernis für eine wirksame Antwort auf AIDS identifiziert. „Jeden Tag und an jedem Ort müssen wir gegen Stigmatisierung und Diskriminierung kämpfen“, sagte Lakshmi, eine Sexarbeiterin und Direktorin des Programmes an der Ashodaya Sexarbeiterin Initiative in Mysore, Indien. Sie sagte:

„Wir haben einen Weg gefunden, um ein Teil der Lösung zu sein. Unser Team von HIV-positiven Sexarbeiter_innen-Freiwilligen hat eine funktionierende Partnerschaft zwischen Gemeinden und Gesundheitsdiensten aufgebaut. Dies hat Haltungen der Leistungserbringer verändert und hat das Vertrauen der Community  gegenüber Gesundheitsdiensten gestärkt.“

Annah Pickering, eine Sexarbeiterin und Manager in der Region Auckland des New Zealand Prostituier Collective, unterstrich die vielfältigen Vorteile der Entkriminalisierung von Sexarbeit in ihrem Land, sowohl für die Rechte der Sexarbeiter_innen als auch für  den Umgang mit HIV.

„Wir freuen uns über viele rechtliche Freiheiten. Wir können über korrupte Beamte berichten, die kostenlosen Sex verlangen. Wir verstecken nicht unsere Kondome in unseren BHs oder hinter einem Bild oder in der Thermoskanne. Wir können Schilder und Poster für „sicheren Sex“ aufhängen und darauf bestehen. Hat die Entkriminalisierung der Sexarbeit  die Übertragung von HIV verhindert? Ich glaube fest daran. Wenn Sie all diese Elemente zusammentragen,  tragen diese wesentlich dazu bei, Sexarbeiter_innen bei der Verhinderung der Übertragung von HIV zu unterstützen „, sagte sie.

Ein zentrales Thema der Diskussionen im Kolkata-Zentrum waren die weit verbreiteten Erfahrungen mit Gewalt, mit denen Sexarbeiter_innen auf der ganzen Welt täglich konfrontiert sind. Die Sessions haben betont, wie die Dokumentation der Erfahrung von Gewalt durch Sexarbeiter_innen entscheidend ist, um Beweismittel sicherzustellen und wirksame Lösungen zu schaffen. Ein durch Sexarbeiter_innen  und dem Center for Advocacy on Stigma and marginalization (CASAM), dem Asia-Pacific Network of Sex Workers (APNSW), UNFPA, UNDP, UNAIDS und Partner für Prävention durchgeführtes Forschungsprojekt in Sri Lanka, Myanmar, Nepal und Indonesien wurde als eine wichtige Initiative für eine bessere Identifizierung der Risiken und Faktoren, die zum Schutz SexarbeiterInnen von Gewalt beitragen, hervorgehoben.

„Diese Untersuchung wurde entwickelt, um qualitativ hochwertige Daten über die gelebten Erfahrungen von Sexarbeiter_innen für eine bessere Politik und Programme zur Vorbeugung und Reaktion auf Gewalt zur Verfügung zu stellen „, sagte Meena Seshu, Direktorin des Sampada Gramin Mahila Sanstha (Sangram) Sexworker Peer-Education-Projekt.

Die Bedeutung des steigenden Zugangs von Sexarbeiter_innen zu qualitativ hochwertigen und integrierten Gesundheitsleistungen wurde besonders betont. Kay Thi Win, Direktor des Targeted Outreach Programme (TOP) in Myanmar, die Peer-to-Peer-HIV-Prävention und Unterstützung für Sexarbeiter_innen bietet ,sagte:

„Es gibt nur wenige Sexarbeiter_innen-freundliche Kliniken. Als TOP begann, gab es kein umfassendes Gesundheitsprogramm  für Sexarbeiter_innen in Myanmar. Doch durch unsere Arbeit ist es uns gelungen, durch die Bereitstellung eines umfassenden sexuellen und reproduktiven Gesundheitspakets die Verbindungen zu den HIV-Diensten zu erhöhen.“

Das Zentrum wird durch das Kolkata Durbar Mahila Samanwaya Committee (DMSC) gehostet und ist mit dem Global Network of Sex Workers (NWSP) und der All India Network of Sex Workers (AINSW) mitorganisiert. Es wird durch das Open Society Foundation’s Sexual Health and Rights Program, UNAIDS, dem niederländischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, UNFPA, HIVOS (des Humanistischen Instituts für Entwicklungszusammenarbeit), AIDS-Fonds (ein in den Niederlanden ansässiger Geldgeber für HIV-Projekte) und des Tagungssekretariats von Aids-2012 unterstützt.

 

 

 

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