Kontrolle statt Schutz: Das geplante Prostituiertenschutzgesetz wird seinem Namen nicht gerecht

Das neue Gesetz soll Prostituierte besser vor Ausbeutung „schützen“. Für Sexarbeiter*innen ist die Einrichtung einer Sonderdatenbank mit Anmeldepflicht und Zwangsberatung geplant. Für sogenannte „Prostitutionsstätten“ – Orte, an denen Sexarbeit ausgeübt wird – sollen strenge Auflagen gelten. Beides ist gut gemeint, wird aber die Situation von Sexarbeiter*innen verschlechtern. Viele neue Pflichten werden eingeführt, aber kaum neue Rechte geschaffen – Sexarbeiter*innen stehen in der Pflicht, sich anzumelden, haben aber keinen nennenswerten Vorteil davon.

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Warum bleiben Sexarbeiter_innen von der Debatte über Gewalt gegen Frauen ausgeschlossen?

Diesen Beitrag veröffenltichen wir anlässlich des Internationalen Hurentages am 2. Juni.

Autorin: Kate Zen

„Ich habe so viele Frauen getötet, dass ich fast den Überblick verloren habe… Mein Plan war so: ich wollte so viele Frauen wie möglich umbringen, von denen ich dachte sie seien Prostituierte… Ich wählte Prostituierte als meine Opfer, weil sie leicht aufzugabeln sind, ohne dass jemand es bemerkt.“ – Gary Ridgewood, The „Green River Killer“, 15. November 2003, Seattle, Washington

Im November 2001 wurde der Serienmörder Gary Ridgewood beim Verlassen der Kenworth Truck Factory in Renton, Washington, festgenommen, wo er über 30 Jahre unauffällig gearbeitet hatte. Während er ein ansonsten normales geregeltes Leben führte, gelang es ihm in seiner Freizeit, ohne dass es jemand bemerkte, mehr als 49 Frauen zu töten, von denen fast alle Prostituierte waren. Ihre Leichen begrub er in Waldgebieten rund um Kings County, nicht weit entfernt von dem Ort, in dem er lebte und arbeitete. Weiterlesen →

Menschenrechtsverletzungen im Namen des Kampfes gegen Menschenhandel

Dieser Beitrag wurde ursprünglich als Teil der Kritik an einem Spiegel-Artikel “Bordell Deutschland” – Journalismus auf Lücke (SPIEGEL 22/2013) veröffentlicht. 

Die Überschrift mag Sie verwundern, aber im global geführten Kampf gegen Menschenhandel sind Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung – und geschehen ironischer Weise mit der Begründung Menschenrechte schützen zu wollen. Ein paar Beispiele.

In Nigeria werden Frauen, die so aussehen (sic!), als könnten sie Opfer von Menschenhandel werden, an der Grenze gestoppt und in Gewahrsam genommen. Obwohl es ein Menschenrecht auf das Verlassen des eigenen Landes gibt, wird inzwischen in vielen Ländern die Migration von Frauen eingeschränkt, damit diese nicht Opfer von Menschenhandel werden. Weiterlesen →

Körper unter Kontrolle : Prostitution als ’soziales Problem‘ der Geschlechterordnung

Wissenschaftliche Forschung über Sexarbeit und Prostitution

Ruhne, Renate (2008): Körper unter Kontrolle : Prostitution als ’soziales Problem‘ der Geschlechterordnung, in: Die Natur der Gesellschaft: Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2. Frankfurt am Main: Campus Verl., 2008. , S. 2520-2531.

„Prostitution ist ein aktuell öffentlich vielfach aufgegriffenes Phänomen des Sozialen, bei dem die Körperlichkeit des Menschen in besonderer Weise im Zentrum steht, und das bis in die heutige Zeit ein ausgesprochen strittiges Thema geblieben ist. Trotz grundsätzlicher Legalität und zunehmend thematisierter ‚Selbstverständlichkeit‘ stellt das prostitutive Geschehen bis heute gleichzeitig eine umstrittene, als ‚anormal‘ bzw. ‚amoralisch‘ geltende und weitgehend tabuisierte ‚Grauzone‘ urbanen Lebens dar, die stets einer besonderen sozialen Kontrolle unterliegt. Feld-spezifische Kontrollmaßnahmen, die nicht nur von Ordnungsbehörden, sondern auch von einer breiten Öffentlichkeit und sogar von Teilen des Feldes selbst für sinnvoll bis zwingend notwendig erachtet werden, zielen dabei insbesondere auf eine Ausgrenzung des prostitutiven Geschehens aus…

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